📌 Teil des Ratgebers: Notgepäck packen: Liste, Dokumente und Familienplan
Wenn du bei einem Stromausfall Kinder beschäftigen willst, helfen vor allem einfache Dinge: Karten- und Brettspiele, Malen, Geschichten, ein Zelt aus Decken und Schattenspiele mit der Taschenlampe. Wichtig ist, dass du ein paar Ideen und das Material vorbereitet hast und dem Kind kurz und ehrlich erklärst, was gerade passiert. Dann wird aus einem dunklen Abend schnell gemeinsame Familienzeit.
Stromausfall mit Kindern: Beschäftigung planen
Ohne Strom fallen für Kinder die gewohnten Fixpunkte weg: Fernseher, Tablet, Spielkonsole, oft auch das Licht. Für Erwachsene ist das lästig, für Kinder kann es ein ziemlicher Bruch sein. Eine sinnvolle Beschäftigung hat deshalb zwei Aufgaben. Sie vertreibt die Langeweile, und sie gibt dem Tag wieder eine Struktur, an der sich das Kind festhalten kann.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) weist darauf hin, dass Kinder Belastungen auf unterschiedliche Weise zeigen und anders als Erwachsene. Mögliche Reaktionen auf Krisen sind demnach Konzentrationsprobleme, Alpträume, Ängstlichkeit oder Gereiztheit. Manche Kinder zeigen zunächst gar keine auffälligen Reaktionen. Behalte dein Kind also im Blick, auch wenn es scheinbar unbeeindruckt spielt.
Gemeinsame Aktivitäten wie Malen, Schreiben oder Spielen helfen laut BBK dabei, Gefühle auszudrücken. Beschäftigung ist also nicht nur Zeitvertreib, sondern ein ruhiger Weg, mit der Situation umzugehen. Genau deshalb lohnt es sich, nicht erst im Dunkeln zu überlegen, was ihr tun könnt.
Was du vorab klären solltest
Bevor es ans Spielen geht, sollten die Grundlagen stehen: Licht, Wärme, Essen und Trinken. Wie du die ersten Stunden insgesamt organisierst, steht in unserem Beitrag Stromausfall: die ersten 24 Stunden richtig handeln. Erst wenn das erledigt ist, hast du den Kopf frei für die Kinder. Das ist kein Nachteil: Wer vorbereitet ist, wirkt ruhiger, und diese Ruhe überträgt sich.
Kinder den Blackout erklären
Bevor du ein Spiel auf den Tisch legst, sprich kurz über die Lage. Kinder merken, wenn etwas anders ist. Eine kurze, ehrliche Erklärung nimmt viel Druck aus der Situation. Das BBK empfiehlt, gut zuzuhören, wenn das Kind Fragen hat, und diese offen und ehrlich sowie sachlich, einfach und klar zu beantworten.
Für den Stromausfall kann das zum Beispiel so klingen: „Der Strom ist gerade weg. Deshalb gehen Licht und Fernseher nicht. Das passiert manchmal, und viele Leute kümmern sich darum. Wir haben Taschenlampen und alles, was wir brauchen.“ Du musst nicht mehr wissen, als du weißt. Wenn du etwas nicht weißt, sag das auch so.
Eigene Gefühle benennen
Du darfst zeigen, dass du dir selbst ein bisschen Gedanken machst. Laut BBK können Eltern dem Kind erklären, warum sie selbst besorgt oder traurig sind. So versteht das Kind, dass Krisen normalerweise Unsicherheit auslösen und dass dieses Gefühl dazugehört. Wichtig ist, dass du es ruhig und knapp sagst und nicht im Detail ausbreitest.
Sätze, die Halt geben
Das BBK empfiehlt positive Botschaften wie „Wir passen auf Dich auf“ und „Wir sind für Dich da“. Sie sind einfach und wirken. Sage sie nicht nur einmal, sondern immer wieder, auch nebenbei beim Spielen. Ein Kind, das sich sicher fühlt, lässt sich leichter auf eine Beschäftigung ein.
- Kurz und in einfachen Worten erklären, was los ist.
- Fragen zulassen und ehrlich beantworten.
- Gefühle ernst nehmen, auch Langeweile und Ärger.
- Verlässlichkeit zeigen: „Wir sind für Dich da.“
- Danach ein gemeinsames Angebot machen, zum Beispiel ein Spiel.
Spiele ohne Strom für drinnen
Die einfachsten Spiele ohne Strom sind oft die besten. Sie brauchen kaum Material, sind schnell erklärt und funktionieren bei wenig Licht. Mit einer Stirnlampe oder einer Taschenlampe, die du auf die Tischplatte oder die Zimmerdecke richtest, ist genug Helligkeit für Karten und Brettspiele da. Welche Lampen sich dafür eignen, liest du im Beitrag Taschenlampe und Stirnlampe richtig wählen.
Karten- und Brettspiele
Ein Kartenspiel ist klein, leicht und hält lange. Je nach Alter passen Memory, Mau-Mau, Quartett oder Rommé. Bei kleineren Kindern funktionieren Spiele mit wenigen Regeln besser. Brettspiele und Puzzles sind ideal, wenn die Familie über mehrere Stunden zusammensitzt. Lege am besten eine Decke oder einen Teppich als Spielfläche aus, dann rutscht nichts weg.
Auch Ready.gov, die US-Katastrophenschutzseite, nennt für das Notfall-Kit ausdrücklich Bücher, Spiele, Puzzles oder andere Beschäftigungen für Kinder. Das zeigt: Spielzeug gehört nicht an den Rand der Vorsorge, sondern ganz selbstverständlich dazu.
Spiele ohne Material
Manchmal ist keine Spielekiste zur Hand. Dann helfen Spiele, die nur Fantasie brauchen:
- Ich sehe was, was du nicht siehst: funktioniert auch im Halbdunkel, wenn du mit der Lampe einzelne Gegenstände anleuchtest.
- Stille Post: ein Klassiker für mehrere Kinder oder die ganze Familie.
- Tiere- oder Berufe-Raten: ein Kind denkt sich etwas aus, die anderen fragen mit Ja/Nein-Fragen.
- Geschichten weitererzählen: jeder ergänzt reihum einen Satz.
- Pantomime: leise, bewegungsreich und überall möglich.
- Kofferpacken: trainiert das Gedächtnis und braucht nur Stimmen.
Solche Spiele haben einen Vorteil: Sie lassen sich beliebig verlängern oder abbrechen. Wenn ein Kind keine Lust mehr hat, ist das in Ordnung. Wechsle dann einfach die Aktivität, statt zu drängen.

Kreative Beschäftigung ohne Strom
Neben Spielen mit Regeln brauchen Kinder auch Raum für eigene Ideen. Bei der Beschäftigung von Kindern ohne Strom geht es nicht darum, jede Minute zu füllen. Es geht darum, ein paar Angebote zu haben, aus denen das Kind wählen kann. Kreative Aktivitäten haben zudem einen Nebeneffekt: Sie geben Gefühlen einen Ausdruck, ohne dass darüber gesprochen werden muss.
Ein Zelt aus Decken bauen
Ein Zelt im Wohnzimmer ist für viele Kinder ein Highlight. Mit Stühlen, Decken, Wäscheklammern und Kissen entsteht in wenigen Minuten eine Höhle. Darin lässt sich lesen, vorlesen, spielen und flüstern. Ein Zelt kann auch ein Rückzugsort sein, wenn das Kind einmal Ruhe braucht. Nutze dafür gern eine Taschenlampe oder eine Lampe mit weichem Licht und achte darauf, dass nichts über Lichtquellen mit Hitze hängt.
Wenn es kalt ist, hilft die Höhle zusätzlich, Wärme zu halten, weil weniger Raum erwärmt werden muss. Mehr zu diesem Thema findest du in unseren Beiträgen Wohnung warm halten, wenn die Heizung ausfällt und zum Zwiebelprinzip bei Kleidung.
Schattenspiele an der Wand
Eine Taschenlampe und eine freie Wand genügen. Mit den Händen entstehen Hasen, Vögel oder Hunde. Größere Kinder schneiden Figuren aus Pappe aus und erzählen dazu eine Geschichte. Wenn du die Lampe näher oder weiter weg hältst, wachsen und schrumpfen die Schatten, was kleinere Kinder meist begeistert. Das Spiel funktioniert auch mit mehreren Kindern gut und ist völlig leise.
Malen, Basteln, Schreiben
Das BBK nennt Malen und Schreiben ausdrücklich als Möglichkeiten, Gefühle auszudrücken. Halte dafür Papier, Buntstifte und Klebeband bereit. Ideen für den Abend:
- Ein Bild vom „Abenteuer ohne Strom“ malen.
- Ein kleines Tagebuch mit Zeichnungen führen.
- Eine eigene Geschichte oder einen Comic erfinden.
- Aus Papier Flieger, Schiffchen oder Figuren falten.
- Eine Schatzkarte der Wohnung zeichnen und einen Schatz verstecken.
Mit der Schatzkarte lässt sich gleich noch etwas lernen: Kinder üben Orientierung und räumliches Denken. Wenn du das später vertiefen möchtest, schau in den Beitrag Orientierung ohne GPS: Karte und Kompass sicher nutzen.
Mithelfen als Aufgabe
Kinder wollen oft gebraucht werden. Das BBK betont, dass es Ängste und Sorgen reduzieren kann, wenn man in einer Notsituation weiß, was man für sich und andere tun kann. Gib deinem Kind deshalb kleine, altersgerechte Aufgaben: Lampen verteilen, Spielsachen holen, den Tisch decken oder beim kalten Abendessen helfen. Ideen für Mahlzeiten ohne Herd findest du in Notvorrat ohne Kochen: Was kalt schmeckt und satt macht.

Familienspiele bei Kerzenlicht – aber sicher
Kerzenlicht wirkt gemütlich, und viele Familien greifen bei einem Stromausfall zuerst dazu. Mit kleinen Kindern solltest du aber zurückhaltend sein. Offenes Feuer und neugierige Hände passen nicht gut zusammen. Wenn du Kerzen nutzt, dann nur unter ständiger Aufsicht, auf einem festen, nicht brennbaren Untergrund, außerhalb der Reichweite der Kinder und nie in der Nähe von Vorhängen, Decken oder Papier. Vor dem Schlafengehen löschst du sie.
Für Spiele sind Taschenlampen, Stirnlampen und batteriebetriebene Laternen meist die bessere Wahl. Sie sind unkomplizierter, und du kannst die Helligkeit besser lenken. Wie du Batterien und Akkus lagerst, damit sie im Ernstfall funktionieren, erfährst du in Batterien und Akkus richtig lagern.
Spielideen für den ruhigen Abend
Familienspiele bei Kerzenlicht oder Lampenschein haben ihren eigenen Reiz, weil alles etwas ruhiger wird. Gut eignen sich:
- Vorlesen, auch mit verteilten Rollen.
- Gemeinsam Lieder singen oder Kinderreime aufsagen.
- Rätsel und Wissensfragen, die du dir vorher überlegst.
- Ein Familien-Quiz: „Wer kennt wen am besten?“
- Ein Gutenacht-Ritual mit einer Geschichte und einem festen Satz.
Gerade das Gutenacht-Ritual hilft vielen Kindern, auch unter ungewohnten Bedingungen zur Ruhe zu kommen. Bleib bei den bekannten Abläufen, soweit es geht: Zähne putzen, Schlafanzug, Geschichte. Wie du die Hygiene bei ausfallendem Wasser sicherstellst, steht in Hygiene ohne fließendes Wasser.
Wenn die Stimmung kippt
Auch mit den besten Ideen wird es Momente geben, in denen ein Kind quengelt, weint oder wütend wird. Das ist normal. Nimm die Gefühle ernst, statt sie wegzureden. Eine Umarmung, ein ruhiger Platz oder ein Glas Wasser tun oft mehr als das nächste Spiel. Wenn du selbst angespannt bist, hilft dir der Beitrag Ruhig bleiben im Ernstfall.
Achte außerdem auf Veränderungen in den Tagen danach. Konzentrationsprobleme, Alpträume oder Gereiztheit können laut BBK mögliche Reaktionen auf Krisen sein, und sie zeigen sich nicht immer sofort. Bleib im Gespräch und biete weiterhin gemeinsame Zeit an.
Häufige Fragen
Wie kann ich bei einem Stromausfall Kinder beschäftigen, wenn es dunkel ist?
Mit Spielen, die wenig Licht brauchen: Karten- und Brettspiele im Schein einer Stirn- oder Taschenlampe, Vorlesen, Geschichten erzählen, Schattenspiele oder ein Zelt aus Decken. Kreative Angebote wie Malen gehen bei etwas mehr Licht.
Wie erkläre ich Kindern einen Blackout?
Sachlich, einfach und ehrlich, so empfiehlt es das BBK. Sage, dass der Strom gerade weg ist, dass dadurch bestimmte Geräte nicht funktionieren und dass ihr gut vorbereitet seid. Ergänze Sätze wie „Wir passen auf Dich auf“ und „Wir sind für Dich da“ und lass Fragen jederzeit zu.
Was gehört an Spielzeug und Beschäftigung in den Notvorrat?
Ready.gov nennt für das Notfall-Kit Bücher, Spiele, Puzzles oder andere Beschäftigungen für Kinder. Praktisch sind Kartenspiele, Malsachen, ein Buch und ein kleines Spiel. Dazu kommen Lampen und Ersatzbatterien. Auch für den Ernstfall unterwegs lohnt ein Blick auf Notgepäck für Kinder.
Sind Kerzen bei Kindern eine gute Lichtquelle?
Eher nicht als Hauptlicht. Taschenlampen und Stirnlampen sind einfacher und sicherer. Wenn du Kerzen verwendest, dann nur unter Aufsicht, standsicher und außerhalb der Reichweite der Kinder.
Wie lange sollte ich Beschäftigung für Kinder einplanen?
Das hängt von der Lage ab. Das BBK empfiehlt, sich möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, ein Vorrat für zumindest drei Tage hilft schon sehr. Plane deine Spielekiste daher lieber für mehrere Tage mit Abwechslung und nicht nur für einen Abend.
Deine nächsten Schritte
Vorbereitung muss nicht aufwendig sein. Mit ein paar Handgriffen bist du für den nächsten Stromausfall gut aufgestellt. Das BBK betont, dass Vorbereitetsein hilft, Ängste und Sorgen zu reduzieren. Für Kinder gilt das genauso wie für Erwachsene.
- Spielekiste packen: Karten, ein Brettspiel, Puzzle, Buch, Papier und Stifte an einen festen Platz legen.
- Licht bereitlegen: Taschen- oder Stirnlampen samt Ersatzbatterien für jedes Familienmitglied.
- Gespräch üben: Überlege dir ein paar einfache Sätze, mit denen du den Stromausfall erklären kannst.
- Kinder einbeziehen: Lass sie ihre Lieblingsspiele für die Kiste aussuchen.
- Einmal ausprobieren: Plane einen „Abend ohne Strom“ zum Üben. So wird aus dem Ernstfall etwas Vertrautes.
- Jährlich prüfen: Ready.gov empfiehlt, das Kit jährlich zu prüfen und zu aktualisieren, wenn sich die Bedürfnisse der Familie ändern. Kinder wachsen, Spiele müssen mitwachsen.
Wenn du das Thema Vorsorge für die ganze Familie angehen willst, findest du weitere Anregungen in Krisenvorsorge für Familien: gemeinsam gut vorbereitet. Das BBK bietet außerdem Ratgeber und Checklisten, die auch die Auswirkungen eines Stromausfalls behandeln, und eine Informationsbibliothek mit einem Bereich „Für Kinder und Lehrende“.
Quellen und weiterführende Informationen
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