Ein Stromausfall, Hochwasser oder eine Hitzewelle trifft nicht alle Menschen gleich. Wer schlecht zu Fuß ist, auf Medikamente oder elektrische Hilfsmittel angewiesen ist oder allein lebt, ist in solchen Lagen besonders verletzlich. Gleichzeitig sind gerade ältere Menschen oft erfahrene Vorsorger – viele haben noch einen gut gefüllten Vorratsschrank. Worauf es ankommt, ist, die besonderen Bedürfnisse frühzeitig mitzudenken. Dieser Artikel richtet sich an Seniorinnen und Senioren selbst und an alle, die Eltern, Großeltern oder andere Angehörige unterstützen.
Medikamente: der wichtigste Punkt
Das BBK empfiehlt Menschen mit Unterstützungsbedarf ausdrücklich einen Medikamentenplan und einen Vorrat an notwendigen Medikamenten. In einer Krise können Apotheken geschlossen oder Lieferwege unterbrochen sein.
- Vorrat abklären: Sprich mit der Hausärztin oder dem Hausarzt und der Apotheke, wie viel Reserve bei den einzelnen Dauermedikamenten sinnvoll und möglich ist. Bestell Folgerezepte nicht erst, wenn die Packung fast leer ist.
- Medikamentenplan auf Papier: Aktueller Plan mit Namen der Wirkstoffe und Einnahmezeiten, ausgedruckt, bei der Dokumentenmappe und im Notgepäck.
- Kühlpflichtige Medikamente: Kläre mit Arztpraxis oder Apotheke, wie lange sie ohne Kühlschrank haltbar sind und wie du sie bei Stromausfall lagern kannst.
Hilfsmittel und Strom
Brille, Hörgerät, Gehhilfe, Rollator, Inkontinenzmaterial – im Alltag selbstverständlich, im Notfall unverzichtbar. Das BBK rät zu Ersatzbatterien, Akkus und Ladegeräten für technische Hilfsmittel und zu Mobilitätshilfen, falls das Haus schnell verlassen werden muss.
- Eine Ersatzbrille und Ersatzbatterien für das Hörgerät gehören in jeden Vorrat.
- Für Treppenlift, Pflegebett, Elektrorollstuhl oder Hausnotruf: Wie lange hält der Akku? Gibt es eine manuelle Notfunktion?
- Wer auf lebenswichtige elektrische Geräte angewiesen ist, etwa Sauerstoffkonzentrator oder Heimbeatmung, sollte mit Ärztin oder Arzt, Pflegedienst und Gerätehersteller einen konkreten Notfallplan für Stromausfälle besprechen – und wissen, wann der Notruf 112 zu wählen ist.
Hausnotruf und Stromausfall
Ein Hausnotrufsystem gibt vielen Alleinlebenden Sicherheit. Laut Verbraucherzentrale kann ein Akku Stromausfälle für etwa 10 bis 20 Stunden überbrücken. Fällt das Telefon- oder Internetnetz aus, ist ein Gerät mit SIM-Karte im Vorteil. Unter bestimmten Voraussetzungen, unter anderem bei vorhandenem Pflegegrad, beteiligt sich die Pflegekasse an den Kosten.
Die Grundversorgung anpassen
Der allgemeine Rat des BBK gilt auch hier: Vorrat für möglichst zehn Tage, mindestens 1,5 Liter Trinkflüssigkeit pro Person und Tag plus etwa 0,5 Liter zum Kochen. Für ältere Menschen kommen ein paar Punkte hinzu:
- Leicht zu öffnen: Konserven mit Ringzug-Deckel, kleinere Wasserflaschen statt schwerer Kanister.
- Passend zur Ernährung: Kau- und Schluckprobleme, Diäten und ärztlich empfohlene Ernährung berücksichtigen.
- Genug trinken: Ältere Menschen haben oft weniger Durstgefühl. Besonders bei Hitze ist regelmäßiges Trinken wichtig – sofern die Ärztin oder der Arzt keine Trinkmengenbegrenzung verordnet hat.
- Licht für sichere Wege: Stürze im Dunkeln sind eine große Gefahr. Lampen mit Bewegungsmelder oder eine Laterne neben dem Bett helfen.
Das Helfernetz: niemand sollte allein sein
Das BBK empfiehlt, mit Nachbarn, Familie und Freunden zu besprechen, wie sie im Notfall unterstützen können. Konkret heißt das:
- Wer schaut nach wem? Mindestens eine Person in der Nähe, die bei Stromausfall oder Unwetter klingelt oder anruft.
- Schlüssel hinterlegen bei einer Vertrauensperson.
- Kontaktliste auf Papier neben dem Telefon: Familie, Nachbarn, Hausarztpraxis, Pflegedienst, Apotheke.
- Pflegedienst fragen: Wie geht der Dienst bei Krisen vor? Welche Notfallnummer gilt?
- Evakuierung mitdenken: Wer hilft beim Verlassen der Wohnung, wenn der Aufzug ausfällt? Wenn die üblichen Wege nicht nutzbar sind, rät das BBK, Unterstützung frühzeitig abzustimmen.
In der Grundausbildung ist einer der ersten Grundsätze: Niemand wird zurückgelassen. Im zivilen Leben bedeutet das ganz praktisch, dass jemand weiß, wer in der Nachbarschaft Hilfe braucht – und dass vorher darüber gesprochen wurde.
Wichtige Dokumente und Notfallinformationen
Neben der üblichen Dokumentenmappe sind für ältere und pflegebedürftige Menschen besonders wichtig:
- Medikamentenplan und wichtige Befunde (Kopie)
- Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
- Kopie von Personalausweis, Krankenversicherungskarte und Pflegegrad-Bescheid
- Kontaktdaten von Hausarztpraxis, Pflegedienst und Angehörigen
- ein Notfallausweis mit Hinweisen zur Kommunikation, etwa bei Schwerhörigkeit
Lege eine kurze Notfallinfo gut sichtbar ab, zum Beispiel an der Innenseite der Wohnungstür oder am Kühlschrank, damit Helfer schnell das Wichtigste finden.
Warnungen sicher empfangen
Nicht jeder nutzt ein Smartphone mit Warn-App. Ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio und das Wissen um die Sirenensignale sind deshalb besonders wichtig. Angehörige können die Warn-App NINA zusätzlich für den Wohnort der Eltern einrichten und bei Warnungen anrufen.
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Kurz gesagt: Medikamentenvorrat und Medikamentenplan immer mit Arztpraxis oder Apotheke abstimmen. Für Hilfsmittel und stromabhängige Geräte Ersatzbatterien und einen Notfallplan bereithalten. Und das Wichtigste: ein verlässliches Helfernetz aus Familie und Nachbarn, das vorher abgesprochen ist.
Quellen und weiterführende Informationen
Allgemeine Information, kein Ersatz für individuelle Beratung durch Behörden, Rettungsdienste oder medizinisches Fachpersonal. Im Notfall: 112.