Für Kinder ist eine Notsituation besonders verunsichernd. Plötzlich ist alles anders: fremde Orte, viele Menschen, angespannte Erwachsene. Ein gut gepacktes Notgepäck kann hier mehr leisten, als nur Essen und Kleidung zu liefern. Es gibt Kindern Halt. Ein vertrautes Kuscheltier, die eigene Trinkflasche, ein Buch, das sie kennen – solche Dinge helfen, sich ein Stück zu Hause zu fühlen, auch wenn man gerade nicht zu Hause ist. In diesem Artikel zeigen wir dir, was ins Notgepäck für Kinder gehört, je nach Alter.
Die Grundlage: die BBK-Liste
Das BBK empfiehlt für jedes Familienmitglied einen eigenen Rucksack. Für Kinder gilt die gleiche Grundliste wie für Erwachsene, also Verpflegung für zwei Tage, Wasser, Kleidung mit Wetterschutz, Hygieneartikel, Lampe und Decke oder Schlafsack – angepasst an Alter und Größe. Zusätzlich nennt das BBK einen Punkt, der nur für Kinder gilt: einen Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift.
Die Erkennungsmarke: das Wichtigste zuerst
Bei einer Evakuierung, in einer Notunterkunft oder in einer Menschenmenge können Kinder von ihren Eltern getrennt werden. Kleine Kinder können oft nicht zuverlässig sagen, wie sie heißen, wo sie wohnen oder wie ihre Eltern zu erreichen sind. Ein Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel löst dieses Problem. Hinein gehören:
- Vor- und Nachname, Geburtsdatum und Anschrift des Kindes,
- Namen und Telefonnummern der Eltern und einer Kontaktperson außerhalb der Region,
- wichtige Gesundheitsinformationen, zum Beispiel Allergien oder Erkrankungen, die Helfer kennen sollten,
- ein aktuelles Foto des Kindes in der Dokumentenmappe der Eltern, damit ihr es im Ernstfall zeigen könnt.
Bespreche mit deinem Kind altersgerecht, wofür die Kapsel da ist: Wenn du mich nicht findest, zeig sie einer Person in Uniform, etwa von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst.

Babys und Kleinkinder
In diesem Alter tragen die Eltern das Gepäck. Plane deshalb Platz in deinem eigenen Rucksack ein oder nutze eine Babytrage, damit du die Hände frei hast. Ins Notgepäck gehören:
- Windeln und Feuchttücher für mehrere Tage, dazu eine Wickelunterlage,
- Babynahrung, die zu eurem Kind passt; wenn du Fläschchennahrung nutzt, auch abgepacktes Wasser, Fläschchen und Sauger,
- Wechselkleidung in mehreren Schichten, Mütze und eine warme Decke,
- Schnuller, Lieblingsspielzeug, Schmusetuch,
- Kopien von Geburtsurkunde, Kinderuntersuchungsheft und Impfpass.
Frag bei Babys mit besonderen Ernährungsbedürfnissen am besten in der Kinderarztpraxis nach, was für den Notfall sinnvoll ist.
Kindergarten- und Grundschulkinder
Ab etwa diesem Alter können Kinder einen eigenen kleinen Rucksack tragen. Er sollte leicht bleiben – wenige Dinge, die ihnen gehören und die sie selbst brauchen:
- Trinkflasche und ein paar Snacks, die dein Kind mag und die lange halten,
- Regenponcho oder Regenjacke, Mütze, Wechselsocken,
- eine kindgerechte Stirnlampe oder Taschenlampe,
- Kuscheltier, ein Buch, Malzeug oder ein kleines Kartenspiel,
- eine Trillerpfeife, mit der sich das Kind bemerkbar machen kann – erkläre aber, wann sie benutzt werden darf.
Wechselkleidung, Hygieneartikel und den Großteil der Verpflegung trägt ein Erwachsener.
Ältere Kinder und Jugendliche
Ältere Kinder und Jugendliche können einen eigenen Rucksack mit vollständiger Grundausstattung tragen, natürlich mit einem Gewicht, das zu ihnen passt. Bezieh sie in die Planung ein. Lass sie ihren Rucksack selbst packen und kontrolliere danach gemeinsam mit ihnen. Wer verstanden hat, warum etwas im Rucksack ist, denkt im Ernstfall auch mit. In der Grundausbildung haben wir die Erfahrung gemacht, dass Menschen viel besser handeln, wenn sie den Grund für eine Aufgabe kennen. Das gilt für Jugendliche ganz genauso.
Gebt ihnen auch eine Kopie der Notfall-Kontaktliste mit, die Adresse des Familientreffpunkts und eine kleine Powerbank fürs Handy.

Gesundheit und Medikamente
Wenn dein Kind regelmäßig Medikamente braucht, kläre mit der Kinderärztin, dem Kinderarzt oder der Apotheke, wie du einen kleinen Vorrat für das Notgepäck anlegen und richtig lagern kannst. Lege eine Kopie des Medikamentenplans und wichtiger Befunde in die Dokumentenmappe. Denk auch an Sonnenschutz und an Pflaster mit Motiven – sie trösten oft besser als jedes Wort.
Vorbereiten ohne Angst zu machen
Kinder spüren, wenn Erwachsene nervös sind. Sprich über Vorsorge deshalb ruhig und sachlich, so wie über einen Feuerlöscher oder den Fahrradhelm: Das haben wir, damit wir gut vorbereitet sind. Macht aus dem Packen eine gemeinsame Aktion und übt den Weg zum Treffpunkt bei einem Spaziergang. Was vertraut ist, macht weniger Angst.
Regelmäßig anpassen
Kinder wachsen schnell. Prüfe das Notgepäck deshalb mindestens zweimal im Jahr: Passt die Kleidung noch? Mag das Kind die Snacks noch? Stimmen Telefonnummern und Foto? Gut geeignet ist die Umstellung auf Sommer- und Winterzeit.
Kurz gesagt: Gib jedem Kind eine Erkennungsmarke mit Namen, Geburtsdatum, Anschrift und Kontakten mit. Pack altersgerecht – Kleinkinder brauchen Platz im Elternrucksack, ältere Kinder tragen einen leichten eigenen. Vertraute Dinge wie Kuscheltier und Lieblingsbuch gehören unbedingt dazu.
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