📌 Teil des Ratgebers: Notgepäck packen: Liste, Dokumente und Familienplan
Ein Notfalltreffpunkt ist eine Anlaufstelle, an der du im Ernstfall Informationen und Hilfe bekommst, wenn wichtige Infrastruktur ausfällt. Gemeint sind vor allem die sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürme der Kommunen. Sie öffnen nicht bei jeder kleinen Störung, sondern bei außergewöhnlichen Lagen. Umso hilfreicher ist es, den Weg dorthin schon vorher zu kennen.
Was ist ein Katastrophenschutz-Leuchtturm?
Ein Katastrophenschutz-Leuchtturm ist eine behördliche Anlaufstelle für die Bevölkerung in außergewöhnlichen Krisenlagen. Er gibt Informationen weiter und koordiniert Hilfe, wenn wichtige Infrastruktur ausfällt. Das kann zum Beispiel die Stromversorgung betreffen, und mit ihr oft auch Telefon, Internet und Mobilfunk.
Die Bezeichnung „Leuchtturm“ ist bewusst gewählt: Er soll im Dunkeln und in unübersichtlichen Lagen Orientierung bieten. Du erkennst die Standorte an einem einheitlichen Logo, das deutschlandweit verwendet wird. So musst du nicht lernen, wie jede Kommune ihre Anlaufstelle nennt, sondern kannst dich auf ein wiedererkennbares Zeichen verlassen.
In manchen Orten heißen vergleichbare Einrichtungen auch Notfalltreffpunkt, Notfallinfopunkt oder ähnlich. Die Namen und die genaue Ausstattung können sich von Kommune zu Kommune unterscheiden. Entscheidend ist die Grundidee: ein bekannter Ort, an dem du in einer Ausnahmelage verlässliche Ansprechpartner findest.
Wann öffnet ein Leuchtturm?
Leuchttürme öffnen nur bei außergewöhnlichen Ereignissen. Dazu zählen lang anhaltende, großflächige Stromausfälle, deren Ende nicht absehbar ist. Ebenso öffnen sie, wenn die Behörden einen Katastrophenfall ausrufen. Ein kurzer Ausfall von ein oder zwei Stunden in deiner Straße ist also kein Anlass, zum Leuchtturm zu gehen.
Das ist wichtig für deine Planung. Bei einer kurzen Störung bleibst du zu Hause und nutzt deine eigene Vorsorge. Wie du die ersten Stunden gut überbrückst, erklären wir im Beitrag Stromausfall: die ersten 24 Stunden richtig handeln. Der Notfalltreffpunkt ist die Ergänzung für den Fall, dass die Lage länger dauert oder du zu Hause nicht mehr weiterkommst.
Was bietet ein Notfalltreffpunkt?
Die Aufgaben eines Katastrophenschutz-Leuchtturms lassen sich in vier Bereiche gliedern. Sie sind für dich als Bürger der eigentliche Nutzen dieser Einrichtung:
- Informationen: Leuchttürme verteilen amtliche Lageinformationen und Verhaltenshinweise.
- Notrufe: Sie nehmen Notrufe entgegen und leiten sie weiter, wenn die normale Kommunikation ausfällt.
- Nachbarschaftshilfe: Sie koordinieren Hilfe unter Nachbarn.
- Zentrale Anlaufstelle: Sie sind der Ort, an dem die Bevölkerung Ansprechpartner findet.
Gerade der zweite Punkt ist für viele Menschen beruhigend. Wenn Telefon und Mobilfunk nicht mehr funktionieren, bleibt dir sonst oft nur, selbst jemanden zu suchen. Am Leuchtturm kann ein Notruf weitergegeben werden, etwa bei einem medizinischen Problem. Das ersetzt keine eigene Erste-Hilfe-Kompetenz, aber es gibt dir einen klaren Weg, Hilfe zu holen.
Auch die amtlichen Informationen sind wertvoll. In einer Ausnahmelage kursieren schnell Gerüchte. Wer an einer offiziellen Stelle nachfragen kann, erfährt, was die Behörden tatsächlich wissen und welches Verhalten sie empfehlen. Das schafft Ruhe und hilft, vernünftige Entscheidungen zu treffen.
Was du nicht pauschal erwarten solltest
Welche weiteren Leistungen ein Standort bietet, etwa Aufwärmmöglichkeiten, Getränke oder Lademöglichkeiten, hängt von der jeweiligen Kommune ab. Aus den vorliegenden Quellen lässt sich dazu keine allgemeine Aussage treffen. Plane deshalb nicht damit, dass dort alles bereitsteht. Frag vorab bei deiner Gemeinde nach, was an deinem Standort vorgesehen ist, und sorge weiterhin für eigene Grundversorgung.

Beispiel Neukölln: So sieht ein Standortkonzept aus
Wie ein solches Konzept konkret aussehen kann, zeigt der Berliner Bezirk Neukölln. Dort sind vier Standorte vorgesehen: das Rathaus Neukölln in der Karl-Marx-Straße 83, der Wirtschaftshof Britz am Buckower Damm 20, das Gemeinschaftshaus Gropiusstadt am Bat-Yam-Platz 1 und die Michael-Ende-Grundschule in der Neuhofer Straße 41.
Auffällig ist die Mischung der Orte: ein Verwaltungsgebäude, ein Betriebshof, ein Gemeinschaftshaus und eine Schule. Es sind Gebäude, die ohnehin zur öffentlichen Infrastruktur gehören und im Stadtteil bekannt sind. Das ist ein sinnvoller Ansatz, denn ein Treffpunkt funktioniert nur, wenn die Menschen ihn auch ohne Navigation finden.
Ein ehrlicher Hinweis gehört dazu: Laut der Seite des Bezirks befinden sich die Neuköllner Standorte noch im Aufbau und sind noch nicht voll einsatzbereit. Das gilt vermutlich nicht nur dort. In vielen Kommunen entwickeln sich diese Strukturen gerade erst. Verlass dich deshalb nicht darauf, dass an deinem Wohnort bereits alles fertig ist, und prüfe den aktuellen Stand selbst.
Den Notfalltreffpunkt in deiner Gemeinde finden
Eine bundesweit einheitliche Liste aller Standorte gibt es nach unseren Quellen nicht. Notfalltreffpunkte in der Gemeinde werden von der jeweiligen Kommune oder dem Bezirk organisiert. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rät, die örtlichen Anlaufstellen wie das Rathaus oder Notfalltreffpunkte zu kennen, bevor eine Krise eintritt. Genau das kannst du jetzt in Ruhe erledigen.
So gehst du vor
- Suche auf der Internetseite deiner Stadt, Gemeinde oder deines Bezirks nach Begriffen wie Katastrophenschutz, Leuchtturm oder Notfalltreffpunkt.
- Frage bei Rathaus, Bürgeramt oder Ordnungsamt nach, ob und wo Anlaufstellen vorgesehen sind und wie sie gekennzeichnet werden.
- Notiere dir Adresse und Öffnungsbedingungen und klebe den Zettel an einen festen Ort, etwa zu deinen Unterlagen.
- Gehe den Weg einmal zu Fuß ab oder fahre ihn mit dem Rad. So weißt du, wie lange du brauchst und welche Strecke sicher ist.
- Sprich mit Familie und Nachbarn darüber, damit alle denselben Ort kennen.
Wichtig ist der Papierzettel. Wenn Strom und Netz ausfallen, ist die Adresse in deinem Handy womöglich nicht mehr abrufbar, wenn der Akku leer ist. Eine handschriftliche Notiz funktioniert immer. Das passt zur Empfehlung des BBK, eine Kontaktliste auf Papier bereitzuhalten.
Wenn du keine Informationen findest, ist das ebenfalls eine nützliche Erkenntnis. Dann kannst du bei der Kommune nachfragen und damit zeigen, dass das Thema Bürger interessiert. Gleichzeitig weißt du, dass du dich stärker auf deine eigene Vorsorge und auf deine Nachbarschaft verlassen musst.
Wie du den Weg ohne Navigation findest
Ein Notfalltreffpunkt nützt dir wenig, wenn du ihn ohne Handy nicht erreichst. Ein Papierstadtplan oder eine Karte der Umgebung hilft dabei. Wie du dich auch ohne Satellitenortung zurechtfindest, zeigt der Beitrag Orientierung ohne GPS: Karte und Kompass sicher nutzen. Für kurze Strecken im eigenen Viertel reicht oft schon, den Weg einmal bewusst gegangen zu sein.

Wie du dich vorbereitest, damit du möglichst lange zu Hause bleiben kannst
Ein Notfalltreffpunkt ist eine Rückfallebene, kein Ersatz für eigene Vorsorge. Der BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ zielt auf eine Selbstversorgung von etwa zehn Tagen ab. Schon ein Vorrat für drei Tage hilft deutlich und lässt sich schrittweise ausbauen. Wie das konkret aussieht, findest du im Beitrag Der Notvorrat für 10 Tage nach BBK-Empfehlung.
Die BBK-Empfehlungen sind keine Pflicht, sondern Anregungen für die persönliche Vorsorge. Du entscheidest selbst, wie weit du gehst. Wer gut vorbereitet ist, entlastet außerdem die öffentlichen Anlaufstellen, sodass sie sich auf Menschen konzentrieren können, die wirklich auf Hilfe angewiesen sind.
Informiert bleiben, wenn Geräte ausfallen
Das BBK weist darauf hin, dass Fernseher, Computer und Telefon ausfallen können, etwa durch Stromausfall, Cyberangriff oder einen Sturm, der Mobilfunknetze stört. Es empfiehlt deshalb eine Kontaktliste auf Papier, eine Powerbank sowie ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio, weil der Rundfunk auch bei Internetausfall weiterläuft.
Mit einem Radio erfährst du, ob Behörden eine Anlaufstelle geöffnet haben. Mehr dazu liest du im Beitrag Das Kurbelradio: warum es in jeden Haushalt gehört und in Informiert bleiben ohne Internet. Laut BBK soll DAB+ zwischen 2031 und 2037 das analoge UKW ersetzen. Neue Radiogeräte sollen ab Ende 2025 Notfalldurchsagen automatisch aktivieren können. Beim Kauf eines neuen Geräts lohnt sich also ein Blick auf diese Funktion.
Absprachen in der Familie
Besprecht, wer wohin geht, wenn ihr nicht zusammen seid. Ein fester Familientreffpunkt und eine Kontaktliste auf Papier nehmen viel Unsicherheit. Eine Anleitung findest du unter Notfall-Kontaktliste und Familientreffpunkt. Der öffentliche Notfalltreffpunkt kann dabei ein zweiter, gemeinsamer Anlaufpunkt sein, falls euer privater Treffpunkt nicht erreichbar ist.
Häufige Fragen
Wo bekomme ich Hilfe bei Stromausfall?
Bei kurzen Ausfällen hilfst du dir am besten zu Hause selbst und mit deiner Nachbarschaft. Bei einem lang anhaltenden, großflächigen Ausfall ohne absehbares Ende können Katastrophenschutz-Leuchttürme öffnen. Dort bekommst du amtliche Informationen, Notrufe werden weitergeleitet und Hilfe wird koordiniert. Wo dein Standort liegt, erfährst du bei deiner Kommune.
Was ist eine Anlaufstelle bei Stromausfall?
Eine Anlaufstelle bei Stromausfall ist ein von den Behörden vorgesehener Ort, an dem Bürger Informationen und Unterstützung erhalten, wenn normale Kommunikationswege ausfallen. Katastrophenschutz-Leuchttürme erfüllen diese Aufgabe. Sie sind durch ein einheitliches Logo gekennzeichnet und öffnen nur bei außergewöhnlichen Ereignissen.
Gibt es überall Notfalltreffpunkte?
Nein, das lässt sich nicht pauschal sagen. Die Organisation liegt bei den Kommunen, und manche Standorte sind noch im Aufbau, wie das Beispiel Neukölln zeigt. Frag bei deiner Gemeinde nach, ob und wo Anlaufstellen geplant oder eingerichtet sind.
Kann ich jederzeit zum Katastrophenschutz-Leuchtturm gehen?
Die Leuchttürme sind keine ständig geöffneten Einrichtungen. Sie öffnen bei lang anhaltenden, großflächigen Stromausfällen ohne absehbares Ende oder wenn die Behörden einen Katastrophenfall ausrufen. Informiere dich über Radio und amtliche Warnungen, ob ein Standort in deiner Nähe in Betrieb ist.
Wie erfahre ich, dass ein Leuchtturm geöffnet ist?
Rundfunk und amtliche Warnungen sind die erste Wahl. Ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio funktioniert auch, wenn das Internet ausfällt. Welche Warnwege es gibt, erklärt der Beitrag Warnung der Bevölkerung: NINA, Cell Broadcast, Sirenen.
Deine nächsten Schritte
Du musst nicht alles auf einmal erledigen. Die folgenden Schritte sind überschaubar und lassen sich in wenigen Tagen umsetzen:
- Finde auf der Internetseite deiner Kommune heraus, ob es einen Katastrophenschutz-Leuchtturm oder Notfalltreffpunkt gibt, und notiere die Adresse auf Papier.
- Frage bei Unklarheiten im Rathaus nach, wie der Stand ist und wie die Standorte gekennzeichnet sind.
- Gehe den Weg einmal ab und prüfe, wie lange du brauchst.
- Lege eine Kontaktliste auf Papier an und besprich Treffpunkte mit deiner Familie.
- Besorge ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio und eine Powerbank.
- Baue deinen Vorrat Schritt für Schritt auf, zunächst für drei Tage, später weiter in Richtung zehn Tage.
- Lege wichtige Papiere griffbereit ab, wie in Die Dokumentenmappe: wichtige Papiere sichern beschrieben.
Wenn du das erledigt hast, bist du für eine Ausnahmelage gut aufgestellt: Du weißt, wohin du dich wenden kannst, du bleibst informiert, und du kannst dich einige Zeit selbst versorgen. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern ein ruhiges Gefühl von Handlungsfähigkeit.
Quellen und weiterführende Informationen
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Allgemeine Information, kein Ersatz für individuelle Beratung durch Behörden, Rettungsdienste oder medizinisches Fachpersonal. Im Notfall: 112.