Zum Inhalt springen
Vorbereitet statt panisch Gratis-Checkliste
Licht & Strom

Strombedarf im Notfall berechnen: so rechnest du richtig

Energiekostenmessgerät in einer Steckdose zur Vorbereitung auf das Berechnen des Strombedarfs im Notfall
Mit einem Messgerät lässt sich der tatsächliche Verbrauch einzelner Geräte ermitteln.

Um deinen Strombedarf im Notfall zu berechnen, listest du alle Geräte auf, die du wirklich weiterbetreiben willst, notierst deren Leistungsaufnahme in Watt und multiplizierst diese mit der geplanten Laufzeit in Stunden. Das Ergebnis in Wattstunden zeigt dir, welche Kapazität eine Powerstation oder Batterielösung mindestens haben muss. Mit ein paar Beispielwerten und einer einfachen Formel kommst du ohne Fachwissen zu einer realistischen Zahl.

Warum du überhaupt rechnen solltest

Viele kaufen eine Powerstation nach Bauchgefühl oder nach Preis – und sind dann entweder enttäuscht von der Laufzeit oder haben für ihren Bedarf deutlich zu viel bezahlt. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass umfangreiche Vorräte oder teure Notstromlösungen für private Haushalte in der Regel nicht notwendig sind, weil Stromausfälle in Deutschland meist innerhalb weniger Stunden behoben werden. Eine kurze Rechnung hilft dir, genau die Kapazität zu finden, die zu deinem tatsächlichen Bedarf passt – nicht mehr und nicht weniger.

Strombedarf im Notfall berechnen: die Grundformel

Die Formel ist einfach: Leistung in Watt mal Laufzeit in Stunden ergibt den Energiebedarf in Wattstunden (Wh). Stiftung Warentest nennt dafür ein anschauliches Beispiel: Ein Werkzeug mit 500 Watt Leistungsaufnahme benötigt für eine Stunde Laufzeit rund 500 Wattstunden Kapazität. Genau nach diesem Prinzip rechnest du auch für Haushaltsgeräte – nur meist mit deutlich kleineren Wattzahlen und längeren Laufzeiten.

  • Watt (Leistung) × Stunden (Laufzeit) = Wattstunden (Energiebedarf)
  • Mehrere Geräte: jede Geräterechnung einzeln aufstellen, dann addieren
  • Am Ende einen Sicherheitspuffer einplanen, da die nutzbare Energie einer Powerstation unter der angegebenen Kapazität liegt

Verbrauch von Router, Lampe und Co. abschätzen

Für die Rechnung brauchst du die Leistungsaufnahme deiner Geräte. Am genauesten findest du sie mit einem Energiekostenmessgerät, das du zwischen Steckdose und Gerät steckst. Fehlt dir ein Messgerät, hilft oft ein Blick auf das Typenschild des Geräts oder in die Bedienungsanleitung – dort steht die maximale Leistungsaufnahme in Watt.

Typische Größenordnungen

Ein WLAN-Router zieht im Dauerbetrieb nur wenige Watt, ein Smartphone-Ladegerät ähnlich wenig. Eine kleine LED-Lampe oder ein Radio liegen ebenfalls im niedrigen einstelligen bis zweistelligen Wattbereich. Größere Haushaltsgeräte benötigen dagegen deutlich mehr Leistung – prüfe bei solchen Geräten gezielt, wie viel Dauerleistung die geplante Powerstation überhaupt liefern kann.

Trage für jedes Gerät, das du im Notfall nutzen willst, die Watt-Zahl und die gewünschte tägliche Laufzeit in eine einfache Tabelle oder Liste ein. So bekommst du einen realistischen Überblick, bevor du eine einzige Zahl für den Gesamtbedarf bildest.

Geräte-Auswahl mit Router, Handy, LED-Lampe und kleinem Ventilator für die Berechnung des Notstrombedarfs
Router, Handy und LED-Lampe gehören zu den kleinsten Verbrauchern im Haushalt.

Wattstunden berechnen: ein durchgerechnetes Beispiel

Angenommen, du willst im Notfall einen Router, ein Ladegerät fürs Handy, eine LED-Lampe und einen kleinen Ventilator über mehrere Stunden am Tag betreiben. Du schätzt oder misst die Leistung jedes Geräts, multiplizierst sie mit der geplanten Laufzeit und addierst die Werte. Das Ergebnis ist dein täglicher Energiebedarf in Wattstunden – die Zahl, an der sich die Kapazität deiner Powerstation orientieren sollte.

Wichtig dabei: Die nutzbare Energie einer Powerstation liegt laut Stiftung Warentest unter der angegebenen Kapazität, weil die Elektronik des Geräts selbst Strom verbraucht. Rechne deshalb nicht exakt auf Kante, sondern plane einen Sicherheitspuffer ein, bevor du dich für eine bestimmte Kapazität entscheidest.

Powerstation-Kapazität berechnen und passendes Modell finden

Hast du deinen täglichen Wattstunden-Bedarf ermittelt, kannst du ihn mit den Kapazitäten realer Geräte vergleichen. Stiftung Warentest hat 2023 elf Powerstation-Modelle getestet; die Kapazitäten lagen zwischen 400 und 644 Wattstunden, die maximale Dauerleistung zwischen 300 und 700 Watt. Fünf der getesteten Modelle erhielten die Note „gut“, bei Preisen zwischen rund 470 und über 800 Euro.

Neben der Kapazität zählt auch die Dauerleistung: Sie bestimmt, wie viele Geräte du gleichzeitig anschließen kannst, ohne dass die Powerstation abschaltet. Bei einem der getesteten Modelle schaltete sich das Gerät laut Stiftung Warentest bereits nach 30 Minuten unter Nennlast ab – ein Hinweis darauf, dass die reine Wattstunden-Zahl allein nicht genügt. Mehr zur Auswahl zwischen kleineren und größeren Lösungen findest du im Beitrag Powerstation oder Powerbank – was brauche ich?.

Anschlüsse und Nachladen

Powerstations verfügen in der Regel mindestens über eine Schuko-Haushaltssteckdose, 12-Volt-Autosteckdosen für Campingzubehör und USB-Anschlüsse, zunehmend auch USB-C. Das erleichtert es, verschiedene Geräte parallel zu versorgen. Über MPPT-Technik lassen sich viele Modelle zudem per Solarpanel nachladen – ein Thema, das der Beitrag Solarpanel für Einsteiger genauer erklärt.

Notstrom-Bedarf richtig einordnen

Das BBK nennt als Ursachen für Stromausfälle unter anderem Unfälle, Fehler bei Bauarbeiten, starke Stürme, Hochwasser, starke Schneefälle, Lawinen, Sabotage und Cyberangriffe. Typischerweise werden Stromausfälle innerhalb weniger Stunden behoben, bei größeren Schäden können es aber auch mehrere Tage werden. Dein berechneter Notstrom-Bedarf sollte deshalb nicht auf Wochen, sondern auf einen realistischen Zeitraum von Stunden bis wenigen Tagen ausgelegt sein.

Für die Grundversorgung empfiehlt das BBK geladene Akkus und Powerbanks, solarbetriebene Ladegeräte, Bargeld, da Geldautomaten bei Stromausfall nicht funktionieren, sowie ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio zur Information. Mehr dazu liest du im Beitrag Das Kurbelradio: warum es in jeden Haushalt gehört. Auch die Verbraucherzentrale rät, Ersatzbatterien, Akkus und Powerbanks regelmäßig aufzuladen.

Notizblock mit einfacher Rechenskizze zur Ermittlung der passenden Powerstation-Kapazität
Eine einfache Rechnung genügt, um die passende Kapazität zu finden.

Was eine Powerstation nicht ersetzt

Fürs Kochen rät das BBK zu Campingkochern oder Garten- und Tischgrills mit Holzkohle oder Gas – niemals in Innenräumen genutzt – sowie zu haltbaren, auch kalt genießbaren Lebensmitteln. Eine kleine Powerstation ist dafür nicht ausgelegt und sollte auch nicht dafür eingeplant werden. Wie du ohne Strom sicher kochst, zeigt der Beitrag Kochen ohne Strom: sichere Möglichkeiten.

Bei einem Heizungsausfall empfiehlt das BBK Brennstoffvorräte für Kamine oder Öfen, alternative Heizquellen nur nach fachmännischer Beratung, Kohlenmonoxid-Warnmelder bei gasbetriebenen Geräten sowie warme Kleidung, Decken und regelmäßiges Lüften. Auch das lässt sich nicht über eine kleine Powerstation lösen, sondern erfordert eigene Vorsorge – mehr dazu im Beitrag Wohnung warm halten, wenn die Heizung ausfällt.

Schritt für Schritt zur eigenen Rechnung

  1. Geräte auflisten, die im Notfall wirklich wichtig sind
  2. Leistungsaufnahme in Watt messen oder dem Typenschild entnehmen
  3. Gewünschte tägliche Laufzeit pro Gerät festlegen
  4. Watt mal Stunden rechnen und alle Werte addieren
  5. Sicherheitspuffer für Elektronikverluste einplanen
  6. Passendes Powerstation-Modell anhand von Kapazität und Dauerleistung vergleichen

Stiftung Warentest rät zusätzlich, vor dem Kauf interaktive Rechner zu nutzen, um den eigenen Strombedarf mit der passenden Powerstation abzugleichen. Eine eigene Vorab-Rechnung macht die Ergebnisse solcher Tools erst wirklich aussagekräftig.

Häufige Fragen

Wie berechne ich, wie viel Wattstunden ich brauche?

Multipliziere die Leistungsaufnahme jedes Geräts in Watt mit der geplanten täglichen Laufzeit in Stunden und addiere die Werte aller Geräte. Das Ergebnis in Wattstunden ist dein Richtwert für die benötigte Kapazität.

Wie viel Watt verbraucht ein Router im Stromausfall?

Ein WLAN-Router zieht im Dauerbetrieb nur wenige Watt. Die genaue Zahl steht auf dem Typenschild oder lässt sich mit einem Energiekostenmessgerät direkt messen.

Welche Powerstation-Kapazität ist für den Hausgebrauch sinnvoll?

Die von Stiftung Warentest getesteten Modelle boten 300 bis 700 Watt Dauerleistung und 400 bis 644 Wattstunden Kapazität. Welche Kapazität für dich passt, hängt von deiner eigenen Geräteliste und der gewünschten Laufzeit ab.

Muss ich für jeden Stromausfall eine Powerstation besitzen?

Nein. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass umfangreiche Vorräte oder teure Notstromlösungen für private Haushalte in der Regel nicht notwendig sind, da Stromausfälle meist innerhalb weniger Stunden behoben werden.

Was mache ich, wenn ich die Leistungsaufnahme eines Geräts nicht kenne?

Schau auf das Typenschild des Geräts oder in die Bedienungsanleitung. Alternativ misst ein Energiekostenmessgerät die tatsächliche Leistungsaufnahme direkt an der Steckdose.

So gehst du jetzt vor

Beginne mit einer kurzen Liste der Geräte, auf die du im Notfall wirklich nicht verzichten willst. Miss oder schätze deren Leistungsaufnahme, rechne sie mit der gewünschten Laufzeit hoch und addiere die Ergebnisse. Mit dieser Zahl kannst du gezielt eine Powerstation auswählen oder prüfen, ob Akkus und Powerbanks für deinen Bedarf bereits ausreichen. Wie du deine Akkus und Batterien dabei richtig lagerst, liest du im Beitrag Batterien und Akkus richtig lagern, und was in den ersten Stunden eines Stromausfalls zu tun ist, zeigt Stromausfall: die ersten 24 Stunden richtig handeln.

Newsletter · Lagebericht

Gratis: der 10-Tage-Notfall-Check

Melde dich für den wöchentlichen Lagebericht an – als Dankeschön bekommst du nach der Bestätigung die Checkliste zum Abhaken (PDF). Ruhig erklärt, ohne Panikmache, jederzeit abbestellbar.

Allgemeine Information, kein Ersatz für individuelle Beratung durch Behörden, Rettungsdienste oder medizinisches Fachpersonal. Im Notfall: 112.

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.