📌 Teil des Ratgebers: Stromausfall vorbereiten: Licht, Wärme, Kommunikation
Desinformation erkennen beginnt mit drei Fragen, die du dir vor dem Teilen einer Nachricht stellst: Ist die Quelle seriös? Basiert die Information auf Fakten? Stimmen andere Quellen überein? Diese Prüffragen empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Wenn du eine davon mit Nein beantwortest, könnte es sich laut BBK um Desinformation handeln.
In diesem Beitrag gehen wir die drei Fragen Schritt für Schritt durch, zeigen ein erfundenes Beispiel und geben dir einige eigene Hinweise, die wir deutlich als solche kennzeichnen. Das Ziel ist nicht, dass du jeder Nachricht misstraust. Das Ziel ist, dass du einen kurzen Moment innehältst, bevor du etwas weiterleitest.
Warum Desinformation zur Vorsorge gehört
Das BBK nennt in seinem Ratgeber für Notfallvorsorge ausdrücklich, dass durch Cyberattacken, Desinformation oder Sabotage Angriffe auf Infrastrukturen, Meinungsbildung und Zusammenhalt stattfinden. Der neu aufgelegte Ratgeber enthält neue Themen, darunter Desinformation, Schutzorte und mentale Gesundheit. Das Thema steht dort also neben anderen Fragen der Vorsorge.
Für dich heißt das: Zur Vorbereitung gehört nicht nur ein Vorrat an Wasser, Lebensmitteln und Licht. Es gehört auch dazu, mit Informationen überlegt umzugehen. Wie du dich auf den Ernstfall einstellst, beschreibt auch unser Beitrag Krisenvorsorge sinnvoll angehen.
Der Leitsatz des BBK lautet: „Kritisch hinterfragen statt weiterleiten!“ Er fasst den Kern kurz zusammen. Bei Verdacht auf eine Falschinformation soll man sie nicht weiterverbreiten. Alles Weitere in diesem Beitrag baut auf diesem Gedanken auf.
Desinformation erkennen: die drei Prüffragen
Das BBK empfiehlt, vor dem Teilen einer Information drei Prüffragen zu stellen. Sie betreffen die Quelle, die Fakten und den Abgleich mit anderen Quellen. Du kannst sie dir merken oder aufschreiben. Wichtig ist, dass du sie tatsächlich durchgehst, bevor du auf „Weiterleiten“ tippst.
Frage 1: Ist der Absender bzw. die ursprüngliche Quelle seriös?
Die erste Frage richtet sich auf den Ursprung der Information. Wer hat sie ursprünglich veröffentlicht? Das ist nicht immer die Person, von der du sie erhalten hast. Oft kommt eine Nachricht über mehrere Stationen zu dir, und der eigentliche Absender ist nicht mehr erkennbar.
Das BBK nennt zwei konkrete Anhaltspunkte. Bei Profilen soll auf Klarnamen geachtet werden, bei Webseiten auf ein vollständiges Impressum mit Namen und Adresse. Das sind Punkte, die du prüfen kannst. Sie sind allerdings Anhaltspunkte und kein Beweis: Ein Klarname allein sagt noch nichts darüber, ob der Inhalt stimmt.
Unsere eigene Einschätzung: Wenn in einer Messenger-Gruppe nur steht, jemand habe von jemandem etwas gehört, lässt sich die Quelle nicht nachvollziehen. Dann kannst du die erste Frage nicht mit Ja beantworten.
Frage 2: Basiert die Information auf Fakten?
Die zweite Frage betrifft den Inhalt. Laut BBK soll geprüft werden, ob Verweise und Quellen vorhanden sind und ob seriöse Medien mit Faktencheck-Abteilungen ähnlich berichten. Eine Meldung, die nur Behauptungen aufstellt und nichts belegt, besteht diese Prüfung nicht.
Schau also nach: Wird auf eine Stelle verwiesen, die du selbst nachlesen kannst? Gibt es Angaben dazu, wer etwas wann und wo gesagt oder festgestellt hat? Findest du bei seriösen Medien mit Faktencheck-Abteilungen eine ähnliche Darstellung? Fehlt all das, solltest du die Nachricht nicht als gesichert behandeln.
Frage 3: Stimmen andere Quellen überein?
Die dritte Frage ist der Abgleich. Das BBK rät, fragliche Nachrichten mit weiteren vertrauenswürdigen Quellen im Internet zu vergleichen. Du suchst also gezielt nach anderen Stellen, die dasselbe berichten, und beurteilst sie ebenfalls mit den Fragen eins und zwei.
Fällt das Internet aus, lässt sich dieser Abgleich nicht wie beschrieben durchführen. Wie du dann informiert bleiben kannst, erklärt unser Beitrag Informiert bleiben ohne Internet.
Die drei Fragen auf einen Blick
- Quelle: Ist der Absender bzw. die ursprüngliche Quelle seriös (Klarname bei Profilen, vollständiges Impressum bei Webseiten)?
- Fakten: Basiert die Information auf Fakten, mit Verweisen und Quellen, und berichten seriöse Medien mit Faktencheck-Abteilungen ähnlich?
- Abgleich: Stimmen andere vertrauenswürdige Quellen überein?
Wird eine dieser Fragen mit Nein beantwortet, könnte es sich laut BBK um Desinformation handeln. Dann gilt der Leitsatz: kritisch hinterfragen statt weiterleiten. Bei Verdacht auf eine Falschinformation verbreitest du sie nicht weiter.

Ein erfundenes Beispiel: Gerücht bei Stromausfall
Zur Veranschaulichung ein ausgedachtes Beispiel, kein realer Fall. Während eines Stromausfalls erscheint in einer Nachbarschaftsgruppe eine Nachricht: Es heiße, die Lage sei ernst, und alle sollten sofort handeln. Wer das geschrieben hat, bleibt offen. Du bekommst die Nachricht auf dein Smartphone und fragst dich, ob du sie weitergeben sollst.
Gehen wir die drei Fragen durch. Quelle: Wer ist der Absender, und woher hat er die Information? Steht dort ein Name, oder bleibt alles vage? Fakten: Gibt es einen Verweis auf eine Stelle, die du nachlesen kannst, oder nur eine Behauptung? Abgleich: Berichtet eine andere vertrauenswürdige Quelle dasselbe?
Lautet die Antwort auf eine der Fragen Nein, leitest du die Nachricht nicht weiter. Das heißt nicht, dass sie zwingend falsch ist. Es heißt nur, dass du sie nicht belegen kannst. Eine ungeprüfte Nachricht wird so nicht zusätzlich verbreitet.
Was du stattdessen tun kannst: Halte dich an das, was du für den Fall vorbereitet hast. Hilfreiche Schritte für die ersten Stunden findest du im Beitrag Stromausfall: die ersten 24 Stunden richtig handeln. Wer einen Plan hat, muss nicht auf jedes Gerücht reagieren.
Zusätzliche Hinweise: unsere eigene Einschätzung
Die folgenden Punkte stammen nicht vom BBK. Sie sind unsere eigenen Überlegungen und als Denkanstöße gemeint. Sie ersetzen die drei Prüffragen nicht, sondern können dich dazu bringen, eine Meldung noch einmal genauer anzusehen.
Achte auf den Ton der Nachricht
Manche Nachrichten drängen zur Eile oder wollen starke Gefühle auslösen. Sätze wie „Sofort an alle weiterleiten!“ sind ein Beispiel dafür. Das ist für uns ein Anlass, besonders genau hinzusehen. Ein bestimmter Ton ist aber kein Beweis, dass eine Meldung falsch ist, und ein sachlicher Ton kein Beweis, dass sie stimmt.
Wie du auch in angespannten Momenten handlungsfähig bleibst, erklärt der Beitrag Ruhig bleiben im Ernstfall. Ein klarer Kopf hilft dir dabei, die Fragen in Ruhe durchzugehen.
Sei vorsichtig bei Bildern und Videos
Bilder und Videos wirken überzeugend. Dennoch solltest du sie nicht allein als Beleg behandeln. Du kannst dich fragen, woher das Material stammt und ob die Quelle des Bildes selbst nachvollziehbar ist. Ob sich jedes Material sicher als echt oder unecht einordnen lässt, können wir nicht beurteilen.
Deshalb gilt auch hier der Weg über die drei Prüffragen: Quelle, Fakten, Abgleich. Ein Bild oder Video ersetzt diese Fragen nicht.

Informationswege vorab klären
Je früher du dir überlegst, woher du im Ernstfall Informationen beziehen willst, desto weniger musst du in der Situation spontan entscheiden. Das BBK nennt die Warn-App NINA als Teil der Warninfrastruktur. Wie NINA, Cell Broadcast und Sirenen zusammenspielen, erfährst du im Beitrag Warnung der Bevölkerung: NINA, Cell Broadcast, Sirenen.
Eine Idee von uns: Schreibe auf einem Zettel auf, welche Quellen du für wichtig hältst und wie du sie erreichst. Das ist kein offizieller Standard, sondern ein Vorschlag. Der Zettel hilft dir, Informationen ruhig einzuordnen, statt dich von der erstbesten Nachricht leiten zu lassen.
Du kannst das Thema auch in der Familie ansprechen. Wer sich vorher abspricht, wie man mit unbestätigten Nachrichten umgeht, muss das nicht im Moment der Aufregung klären. Mehr zur gemeinsamen Vorbereitung findest du im Beitrag Krisenvorsorge für Familien.
Was tun, wenn du eine Falschmeldung vermutest?
Der wichtigste Schritt ist ein unscheinbarer: nicht weiterverbreiten. Das BBK sagt, dass man eine Information bei Verdacht auf Falschinformation nicht weitergeben soll. Du musst dafür nichts widerlegen und niemandem etwas beweisen. Es reicht, die Nachricht bei dir zu behalten.
Hat jemand aus deinem Umfeld die Nachricht bereits geteilt, kannst du ihn ruhig und ohne Vorwurf ansprechen. Zum Beispiel so: „Ich konnte dazu keine Quelle finden, hast du eine?“ Das ist unsere persönliche Empfehlung für den Umgang miteinander. Ein sachlicher Ton hält das Gespräch offen.
Gib dir und anderen Zeit. Nicht jede Frage lässt sich sofort klären. Wenn du eine Meldung nicht einordnen kannst, ist es in Ordnung, sie offen zu lassen und sie nicht zu verbreiten. So gehst du mit Unsicherheit um, ohne selbst zur Verbreitung beizutragen.
Häufige Fragen
Wie kann ich Desinformation erkennen?
Das BBK empfiehlt drei Prüffragen: Ist die Quelle seriös? Basiert die Information auf Fakten? Stimmen andere Quellen überein? Wenn du eine davon mit Nein beantwortest, könnte es sich laut BBK um Desinformation handeln. Dann verbreitest du die Nachricht nicht weiter.
Woran erkenne ich eine seriöse Quelle?
Das BBK nennt als Anhaltspunkte bei Profilen den Klarnamen und bei Webseiten ein vollständiges Impressum mit Namen und Adresse. Außerdem sollten Verweise und Quellen angegeben sein, und seriöse Medien mit Faktencheck-Abteilungen sollten ähnlich berichten.
Was mache ich, wenn ich eine Nachricht nicht prüfen kann?
Das BBK rät, bei Verdacht auf eine Falschinformation diese nicht weiterzuverbreiten. Nach dem Leitsatz „Kritisch hinterfragen statt weiterleiten“ behältst du die Nachricht also bei dir und vergleichst sie, soweit möglich, mit weiteren vertrauenswürdigen Quellen.
Welche Rolle spielt NINA?
Das BBK nennt die Warn-App NINA auf seiner Ratgeber-Seite als Teil der Warninfrastruktur. Mehr zu den Warnwegen findest du in unserem Beitrag zu NINA, Cell Broadcast und Sirenen.
Deine nächsten Schritte
Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Mit wenigen Handgriffen bist du besser vorbereitet:
- Merke dir die drei Fragen des BBK zu Quelle, Fakten und Abgleich.
- Verinnerliche den Leitsatz „Kritisch hinterfragen statt weiterleiten!“.
- Lies im Beitrag zu NINA, Cell Broadcast und Sirenen nach, wie Warnungen die Bevölkerung erreichen.
- Überlege dir, welche Informationsquellen du im Ernstfall nutzen möchtest, und schreibe sie auf.
- Sprich mit deiner Familie darüber, wie ihr mit unbestätigten Nachrichten umgehen wollt.
- Übe es im Alltag: Gehe bei der nächsten auffälligen Meldung bewusst alle drei Fragen durch.
Wer Informationen prüft, bevor er sie teilt, kann dazu beitragen, dass sich ungesicherte Nachrichten nicht weiter verbreiten. Mit etwas Übung wird dieser kurze Moment des Innehaltens zur Gewohnheit.
Quellen und weiterführende Informationen
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