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Unterkühlung erkennen: Symptome und Erste Hilfe

Gefaltete Wolldecke auf einem Sofa als Hilfe, wenn man eine Unterkühlung erkennen und behandeln muss
Warme Decken bereitzuhalten gehört zur Ersten Hilfe im Stadium I

Eine Unterkühlung erkennst du im ersten Stadium an Kältezittern, erhöhter Atmung und erhöhtem Kreislauf, im zweiten Stadium an verlangsamter Atmung, Muskelstarre und zunehmender Müdigkeit. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) nennt in beiden Stadien den Notruf 112 als ersten Schritt. Alles Weitere hängt davon ab, in welchem Stadium sich die Person befindet.

Dieser Beitrag richtet sich an alle, die zu Hause, unterwegs oder bei Kälte Verantwortung für andere tragen. Er ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs, gibt dir aber eine ruhige Orientierung: Was beobachtest du, was tust du zuerst, und was lässt du bewusst sein? Die Handlungsschritte stützen sich auf die Angaben des DRK, die Hinweise zur Vorsorge auf das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Unterkühlung erkennen: die zwei Stadien

Das DRK unterscheidet bei Unterkühlung zwei Stadien. Diese Einteilung hilft dir, das Gesehene zu ordnen und die passenden Schritte zu wählen. Sie ist keine ärztliche Diagnose, und du musst sie nicht perfekt beherrschen. Wichtig ist, dass du Auffälligkeiten ernst nimmst, ruhig bleibst und den Notruf 112 absetzt, denn der gehört nach den Angaben des DRK in beiden Stadien dazu.

Stadium I: Der Körper reagiert noch deutlich

Im ersten Stadium ist die Person bei Bewusstsein. Das DRK beschreibt folgende Anzeichen:

  • Kältezittern
  • erhöhte Atmung
  • erhöhter Kreislauf
  • Die Person ist bei Bewusstsein, anfangs erregt, später ruhiger.

Betrachte nicht nur ein einzelnes Zeichen, sondern das Gesamtbild. Eine Person, die zittert, schneller atmet und dir noch antwortet, passt nach dieser Beschreibung zum ersten Stadium. Nimm das ernst, auch wenn sie selbst sagt, es sei nicht so schlimm.

Stadium II: Die Lage verschärft sich

Für das zweite Stadium nennt das DRK andere Anzeichen:

  • verlangsamte Atmung
  • Muskelstarre
  • nachlassendes Schmerzempfinden
  • zunehmende Müdigkeit bis zur Bewusstlosigkeit

Die Anzeichen können ineinander übergehen. Ob ein Stadium schon erreicht ist, musst du nicht allein entscheiden. Setze den Notruf ab und schildere, was du beobachtest. Je ruhiger und genauer du das tust, desto besser können andere die Lage einschätzen.

Als Gedächtnisstütze kannst du dir merken: Im ersten Stadium ist der Körper aktiv, es gibt Zittern und eine erhöhte Atmung. Im zweiten Stadium steht die Verlangsamung im Vordergrund, also langsamere Atmung, Starre und wachsende Müdigkeit. Für beide gilt: Notruf 112.

Thermoskanne mit warmem Getränk neben Handschuhen, passend zur Ersten Hilfe bei Unterkühlung
Warme, gezuckerte Getränke sind bei wachen Betroffenen im Stadium I möglich

Erste Hilfe bei Unterkühlung im Stadium I

Ist die Person bei Bewusstsein und zittert, gehst du nach den Empfehlungen des DRK in dieser Reihenfolge vor. Die Schritte sind bewusst einfach gehalten, damit du sie auch unter Anspannung abrufen kannst.

  1. Notruf 112 absetzen. Auch im ersten Stadium gehört der Notruf dazu. Bist du nicht allein, bitte eine weitere Person anzurufen, während du bei dem Betroffenen bleibst.
  2. An einen warmen Ort bringen. Hilf der Person, die kalte Umgebung zu verlassen, soweit das gefahrlos möglich ist.
  3. Nasse Kleidung entfernen. Gehe dabei vorsichtig und ohne Hektik vor.
  4. In warme Decken wickeln. So bleibt die Person geschützt, ohne dass du aktiv Wärme zuführst.
  5. Langsam aufwärmen. Gemeint ist ein behutsames, passives Aufwärmen über den warmen Ort und die Decken, nicht über aktive Wärmezufuhr.
  6. Warme, gezuckerte Getränke sind möglich. Das DRK nennt sie für den Betroffenen im ersten Stadium, in dem die Person bei Bewusstsein ist.

Bleib bei der Person, sprich ruhig mit ihr und beobachte, ob sich etwas verändert. Du musst nichts Kompliziertes leisten: Notruf, Wärmeschutz, nasse Kleidung weg, Decken, Geduld. Das ist der Kern der Ersten Hilfe in diesem Stadium.

Was du im Stadium I vermeiden solltest

Aufwärmen heißt hier nicht, den Körper schnell von außen zu erhitzen. Das DRK nennt ausdrücklich: keine aktive Wärmezufuhr, also kein Reiben und keine Wärmflaschen. Außerdem gilt: Gib dem Betroffenen keinen Alkohol. Halte dich an diese klaren Vorgaben, auch wenn andere gut gemeinte Ratschläge geben.

Stadium II: Was du tun und lassen solltest

Zeigt die Person Anzeichen des zweiten Stadiums, ändert sich der Schwerpunkt. Das DRK empfiehlt: Notruf 112 absetzen und keine Aufwärmversuche mehr unternehmen. Das ist ein deutlicher Unterschied zum ersten Stadium. Wer hier weiter aufwärmen möchte, folgt nicht mehr den Empfehlungen. Bleib bei der Person und warte ruhig auf den Rettungsdienst.

Für den Fall, dass die Person nicht mehr bei Bewusstsein ist, nennt das DRK klare Schritte:

  1. Notruf 112 absetzen, falls noch nicht geschehen.
  2. Prüfe, ob die Person normal atmet.
  3. Bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung: stabile Seitenlage.
  4. Bei fehlender normaler Atmung: Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Die 112 gilt übrigens auch im europäischen Ausland, du kannst sie also auf Reisen genauso wählen. Das BBK zählt den Notruf und die Erste-Hilfe-Grundlagen zu den lebensrettenden Maßnahmen. Gerade deshalb lohnt es sich, sie vorher geübt zu haben.

Hektik hilft in dieser Lage nicht, ruhiges, strukturiertes Handeln schon. Wie du unter Stress handlungsfähig bleibst, erklärt der Beitrag Ruhig bleiben im Ernstfall.

Stadium I oder II? Wenn du unsicher bist

Nicht immer ist klar, welches Stadium vorliegt. Das ist in Ordnung. Entscheidend ist, dass du den Notruf absetzt und nicht abwartest. Teile mit, was du siehst: ob die Person zittert, ob sie bei Bewusstsein ist, wie sie atmet und ob sie sehr müde wirkt. Gib nur Alkohol und aktive Wärme zu keinem Zeitpunkt, denn beides ist nach den Angaben des DRK nicht vorgesehen.

Smartphone und gefaltete Decke auf einem Tisch, bereit für den Notruf bei Unterkühlung
Der Notruf 112 gehört bei Unterkühlung in beiden Stadien zum ersten Schritt

Vorsorge: So bereitest du dich auf Kälte vor

Gute Erste Hilfe beginnt vor dem Notfall. Das BBK weist darauf hin, dass du mit einem Vorrat an Lebensmitteln und Getränken bei Wetterwarnungen auf Einkäufe verzichten kannst. Wie ein sinnvoller Vorrat aufgebaut wird, liest du in Krisenvorsorge sinnvoll angehen: warum ein Notvorrat vernünftig ist.

Bei Schnee und Eis gilt laut BBK außerdem: Wetterwarnungen beachten und Unfälle und Stürze vermeiden. Gefrorene Gewässer solltest du erst nach offizieller Freigabe betreten. Das BBK nennt dafür mindestens 15 cm Eisdicke. Wenn du dir bei einer Eisfläche nicht sicher bist, halte dich an die offiziellen Hinweise.

Auch die Ausstattung für kleine Notfälle gehört zur Vorsorge. Das BBK beschreibt eine Hausapotheke, die nach persönlichem Bedarf zusammengestellt wird. Sie hilft, kleine Notfälle selbst zu bewältigen, etwa wenn du dein Zuhause nicht verlassen kannst oder die medizinische Versorgung unterbrochen ist. Was dazugehört, erklärt der Beitrag Die Hausapotheke für den Notfall. Ein griffbereites Erste-Hilfe-Set ergänzt das sinnvoll.

Kälte im Haushalt im Blick behalten

Kälte ist nicht nur ein Thema im Freien. Wenn zu Hause die Heizung ausfällt, solltest du früh überlegen, wie du dich und andere schützt. Hilfreiche Hinweise findest du in Wohnung warm halten, wenn die Heizung ausfällt und im Beitrag Das Zwiebelprinzip: richtig anziehen bei Kälte. Bei Notheizungen gibt es Risiken, über die du dich vorab informieren solltest, zum Beispiel im Beitrag Kohlenmonoxid: die unsichtbare Gefahr bei Notheizungen.

Wissen auffrischen

Lesen ersetzt keine Übung. Das BBK weist darauf hin, dass bundesweit kostenfreie Kurse in „Erster Hilfe mit Selbstschutzinhalten“ (EHSH) angeboten werden. Dort übst du unter Anleitung, was in diesem Beitrag nur beschrieben werden kann. Warum sich ein Kurs lohnt, erfährst du in Erste Hilfe auffrischen.

Häufige Fragen

Woran kann ich eine Unterkühlung erkennen?

Im ersten Stadium an Kältezittern, erhöhter Atmung und erhöhtem Kreislauf, bei Bewusstsein. Im zweiten Stadium an verlangsamter Atmung, Muskelstarre, nachlassendem Schmerzempfinden und zunehmender Müdigkeit bis zur Bewusstlosigkeit.

Was ist bei Unterkühlung die erste Maßnahme?

Setze den Notruf 112 ab. Im ersten Stadium bringst du die Person an einen warmen Ort, entfernst nasse Kleidung und wickelst sie in warme Decken. Im zweiten Stadium unternimmst du keine Aufwärmversuche mehr.

Darf ich eine Wärmflasche oder Reiben einsetzen?

Nein. Das DRK nennt keine aktive Wärmezufuhr, also kein Reiben und keine Wärmflaschen. Das Aufwärmen im ersten Stadium soll langsam über den warmen Ort und die Decken erfolgen.

Darf ich bei Unterkühlung Alkohol geben?

Nein, dem Betroffenen sollst du keinen Alkohol geben. Im ersten Stadium sind dagegen warme, gezuckerte Getränke möglich.

Was tue ich, wenn die Person bewusstlos ist?

Setze den Notruf 112 ab. Bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung bringst du die Person in die stabile Seitenlage. Bei fehlender normaler Atmung beginnst du mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Deine nächsten Schritte

Mit wenigen Handgriffen bist du besser vorbereitet. Gehe diese Liste in Ruhe durch:

  1. Präge dir die zwei Stadien und den Ablauf ein: Notruf, warmer Ort, nasse Kleidung ab, Decken, keine aktive Wärmezufuhr.
  2. Merke dir für das zweite Stadium: Notruf, keine Aufwärmversuche, bei Bewusstlosigkeit Seitenlage oder Wiederbelebung.
  3. Halte ein Erste-Hilfe-Set griffbereit und prüfe, ob deine Hausapotheke zu deinem Bedarf passt.
  4. Lege einen Vorrat an, damit du bei Wetterwarnungen zu Hause bleiben kannst.
  5. Buche einen Erste-Hilfe-Kurs und frische dein Wissen regelmäßig auf.

Wer die Zeichen kennt und ruhig handelt, kann in einer kalten Lage viel bewirken. Bleib bei der Person, setze den Notruf ab und halte dich an die Schritte, die du hier kennengelernt hast.

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