Zum Inhalt springen
Vorbereitet statt panisch Gratis-Checkliste
Wasser

Regenwasser sammeln und sicher nutzen

Symbolbild, KI-generiert

Jedes Dach ist eine kleine Wasserfläche. Bei einem kräftigen Regenschauer laufen von einem Einfamilienhaus schnell einige hundert Liter durch die Fallrohre – Wasser, das im Alltag meist ungenutzt im Kanal verschwindet. Für die Krisenvorsorge ist das eine interessante Reserve. Aber Regenwasser hat seine Tücken. Wir zeigen dir, wofür es sich eignet, wie du es sammelst und wann es ins Glas darf und wann nicht.

Regenwasser ist kein Trinkwasser

Der wichtigste Satz vorweg: Regenwasser vom Dach hat keine Trinkwasserqualität. Auf dem Weg in die Tonne nimmt es Staub, Pollen, Blätter, Vogelkot und Abrieb vom Dachmaterial auf. Darin können Krankheitserreger stecken. Gesundheitsämter weisen deshalb darauf hin, dass gesammeltes Regenwasser im Haushalt für Gartenbewässerung und Toilettenspülung gedacht ist – nicht zum Trinken, Kochen oder Zähneputzen.

Im Notfall ist es trotzdem enorm nützlich. Denn ein großer Teil unseres Wasserbedarfs hat nichts mit Trinken zu tun.

Wofür du Regenwasser im Ernstfall nutzen kannst

  • Toilettenspülung: Ein Eimer Regenwasser direkt in die Schüssel gegossen spült auch ohne Wasserdruck. Das schont deinen Trinkwasservorrat erheblich.
  • Putzen und grobe Reinigung: Böden, Werkzeug, Schuhe, Gartenmöbel.
  • Garten und Pflanzen: Gemüsebeete freuen sich ohnehin über weiches Regenwasser.
  • Wäsche im Notfall: Für grob verschmutzte Kleidung geeignet. Für Babysachen und Handtücher lieber sauberes Wasser verwenden.

Trinken nur nach Aufbereitung – und mit Vorsicht

Wenn alle anderen Quellen versiegt sind, kann Regenwasser aufbereitet werden. Dann gilt: vorklären, filtern und zusätzlich abkochen oder chemisch entkeimen (siehe Artikel „Wasser aufbereiten“). Aber auch dann bleiben Grenzen. Stoffe, die vom Dach oder aus der Luft ins Wasser gelangen, entfernt weder ein Outdoor-Filter noch das Abkochen. Problematisch sind zum Beispiel:

  • Dächer mit Kupfer- oder Zinkblech, teerhaltigen Bahnen oder alten Asbestzementplatten
  • frisch behandelte Holzflächen oder Anstriche
  • Lagen direkt an stark befahrenen Straßen oder Industrieanlagen

Sauberer ist Regen, den du direkt in einer frei stehenden, sauberen Schüssel oder einer aufgespannten Plane auffängst – nicht über Dachrinnen. Aber auch dieses Wasser solltest du vor dem Trinken entkeimen.

Eine alte Regel aus der Ausbildung: Trinkwasser und Brauchwasser bekommen getrennte Behälter, getrennte Farben und eine eindeutige Aufschrift. Verwechslungen passieren nämlich nicht im Ruhezustand, sondern im Stress.

So sammelst du sauber

Die einfache Regentonne

Eine Regentonne am Fallrohr mit einem Regensammler oder Fallrohrfilter ist die einfachste Lösung. Achte auf diese Punkte:

  • Deckel drauf: Ein fest schließender Deckel hält Laub, Tiere und Mücken fern. Er ist auch ein wichtiger Schutz für Kinder – eine offene Tonne ist eine Ertrinkungsgefahr.
  • Erstes Wasser ablaufen lassen: Der Regen der ersten Minuten spült den gröbsten Schmutz vom Dach. Viele Fallrohrsammler lassen sich so einstellen, dass anfangs nichts in die Tonne läuft, oder du schließt den Sammler erst nach einigen Minuten.
  • Schattig aufstellen: Sonne und Wärme fördern Algen.
  • Regelmäßig reinigen: Schlamm am Boden einmal im Jahr entfernen.
  • Winter beachten: Vor Frost leeren oder abklemmen, damit die Tonne nicht platzt.

Größere Anlagen und Zisternen

Wer Regenwasser im Haus für die Toilettenspülung nutzen will, braucht eine fest installierte Anlage. Hier gelten klare Regeln: Eine direkte Verbindung zwischen Regenwasser- und Trinkwasserleitung ist unzulässig, Entnahmestellen müssen als „Kein Trinkwasser“ gekennzeichnet sein, und die Inbetriebnahme ist dem Gesundheitsamt anzuzeigen. Je nach Gemeinde gibt es zusätzliche Vorgaben, etwa zur Abwassergebühr. Lass dich bei solchen Anlagen von einem Fachbetrieb und deiner Kommune beraten.

Wie viel Regen kann ich realistisch sammeln?

Das hängt von Dachfläche, Niederschlag und Tonnengröße ab. Als grobe Faustregel gilt: Ein Millimeter Niederschlag entspricht einem Liter Wasser pro Quadratmeter Fläche. Ein Teil davon geht durch Verdunstung, Überlauf und Erstspülung verloren. Für die Vorsorge musst du nicht exakt rechnen. Wichtiger ist, dass die Tonne voll ist, wenn du sie brauchst – also nicht im Sommer komplett leer gießen, wenn eine Hitzewelle mit Unwettern angekündigt ist.

Ohne Garten: Lösungen für die Wohnung

Auch auf dem Balkon lässt sich Regen sammeln. Ein sauberer Eimer oder ein faltbarer Wasserbehälter unter einem Abtropfpunkt reicht für Pflanzen und Toilette. Beachte die Hausordnung und dass Wasser nicht auf den Balkon darunter läuft. Für die meisten Wohnungshaushalte ist allerdings ein Vorrat an abgefülltem Brauchwasser – etwa die gefüllte Badewanne bei angekündigten Störungen – die praktischere Lösung.

Unsere Ausrüstungs-Empfehlungen

Bewährte Marken der Mittel- bis Oberklasse. Links folgen in Kürze; mit * gekennzeichnete Links werden Werbelinks sein.

  • Sawyer Squeeze SP129Vielseitiger Hohlfaserfilter, der sich auch als Schwerkraftsystem für größere Mengen Regenwasser einsetzen lässt.Zum Produkt*
  • Katadyn PocketRobuster Keramikfilter, dessen Element sich bei trübem Wasser immer wieder reinigen lässt.Zum Produkt*
  • Katadyn Micropur Forte MF 1TDesinfektionstabletten als zweite Stufe nach dem Filtern, wenn Abkochen nicht möglich ist.Zum Produkt*

Kurz gesagt: Regenwasser ist ideal für Toilette, Putzen und Garten, aber kein Trinkwasser. Wenn du es im Notfall trinken musst, nur nach Vorklären, Filtern und Abkochen – und nicht von belasteten Dächern. Tonnen immer abdecken, beschriften und vor Frost schützen.

Allgemeine Information, kein Ersatz für individuelle Beratung durch Behörden, Rettungsdienste oder medizinisches Fachpersonal. Im Notfall: 112.

Weiterlesen