Hochwasser, ein Brand im Haus, ein Gasleck in der Straße oder die Entschärfung einer Fliegerbombe: Es gibt Situationen, in denen du deine Wohnung schnell verlassen musst – manchmal mit nur wenigen Minuten Vorlauf. Dann ist keine Zeit, in Ruhe zu überlegen, was du brauchst. Genau dafür gibt es das Notgepäck, oft auch Fluchtrucksack genannt. Klingt dramatisch, ist aber nichts anderes als eine gut gepackte Tasche, die bereitsteht. Wer schon einmal mit Kindern in den Urlaub gefahren ist, weiß: Gut vorgepackt ist halb gewonnen.
Das Grundprinzip
Das BBK empfiehlt, für jedes Familienmitglied nicht mehr mitzunehmen, als in einen Rucksack passt. Ein Rucksack ist praktischer als ein Koffer, weil du beide Hände frei hast – für Kinder, ein Haustier oder um dich festzuhalten. Der Rucksack soll dich ein bis zwei Tage versorgen, bis du an einem sicheren Ort bist, etwa bei Verwandten oder in einer Notunterkunft. Er ist kein Expeditionsgepäck für Wochen in der Wildnis.
Die Grundliste nach BBK-Empfehlung
Das BBK nennt für das Notgepäck die folgenden Dinge. Wir haben sie in Gruppen sortiert und mit Tipps aus unserer Praxis ergänzt.
Gesundheit
- Persönliche Medikamente: Einen kleinen Vorrat deiner regelmäßig benötigten Medikamente, dazu eine Liste mit Wirkstoffen. Wie viel du vorhalten kannst und wie du sie lagerst, klärst du am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder der Apotheke.
- Erste-Hilfe-Material: Ein kompaktes Set mit Pflastern, Verbandmaterial, Einmalhandschuhen und Rettungsdecke.
- Atemschutzmaske: Das BBK nennt sie zum Schutz vor Viren, Bakterien und gefährlichen Stoffen, etwa bei Rauch oder Staub.
Essen und Trinken
- Verpflegung für zwei Tage in staubdichter Verpackung: zum Beispiel Müsliriegel, Nüsse, Trockenobst, Knäckebrot, Fertiggerichte, die man kalt essen kann.
- Wasserflasche: gefüllt und bruchsicher. Ein kleiner Wasserfilter ist eine sinnvolle Ergänzung.
- Essgeschirr, Besteck, Dosenöffner und Taschenmesser. Zur Rechtslage bei Messern: Ein kleines Taschenmesser ist in der Regel unproblematisch, informiere dich aber über die Regeln des Waffengesetzes, etwa zum Führen bestimmter Messer in der Öffentlichkeit.
Licht, Information, Kommunikation
- Batteriebetriebenes Radio mit Reservebatterien – oder ein Kurbelradio.
- Taschenlampe mit Reservebatterien. Eine Stirnlampe hat den Vorteil, dass du die Hände frei hast.
- Fotoapparat oder Handy mit Kamera: zum Beispiel, um Schäden zu dokumentieren. Ein Ladekabel und eine geladene Powerbank gehören dazu.
Kleidung und Schutz
- Kleidung für mehrere Tage mit Wetterschutz, also mindestens eine Regenjacke.
- Kopfbedeckung und Arbeitshandschuhe: gegen Sonne, Kälte und beim Wegräumen von Trümmern oder Ästen.
- Schlafsack oder Decke.
Hygiene und Papiere
- Hygieneartikel für mehrere Tage: Zahnbürste, Zahnpasta, Seife, Toilettenpapier, Hygieneprodukte, Feuchttücher.
- Dokumentenmappe mit Kopien deiner wichtigsten Papiere.
Was du erst im Ernstfall einpackst
Manche Dinge brauchst du im Alltag und kannst sie deshalb nicht dauerhaft im Rucksack lassen. Das BBK nennt hier unter anderem Personalausweis oder Reisepass, Bargeld und Geldkarten, Gesundheitskarte, Impfpass, Haustür- und Autoschlüssel sowie das Handy. Unser Tipp: Schreib diese Punkte auf einen Zettel und kleb ihn innen an die Deckelklappe des Rucksacks. Im Stress vergisst man genau die offensichtlichen Dinge. In der Grundausbildung haben wir nicht ohne Grund mit Checklisten gearbeitet – sie denken für dich, wenn der Kopf voll ist.
Wie du richtig packst
- Schwer nach innen und oben am Rücken: Wasser und Lebensmittel nah an den Körper, leichte Sachen wie Schlafsack nach unten.
- Griffbereites nach außen: Lampe, Erste Hilfe, Regenjacke und die Dokumentenmappe in Deckelfach oder Seitentaschen.
- Wasserdicht verpacken: Kleidung und Papiere in Packsäcke oder Gefrierbeutel. Ein nasser Schlafsack wärmt kaum noch.
- Gewicht prüfen: Setz den Rucksack auf und geh eine Runde um den Block. Wenn er dich nach einer Viertelstunde quält, ist er zu schwer. Dann lieber aussortieren.
Wo der Rucksack steht – und wann du ihn prüfst
Stell das Notgepäck dort hin, wo du auf dem Weg nach draußen ohnehin vorbeikommst, etwa in der Garderobe oder im Flur. Der Keller ist ungünstig, weil er bei Hochwasser als Erstes betroffen sein kann.
Kontrolliere den Inhalt mindestens einmal im Jahr: Sind Lebensmittel und Medikamente noch haltbar? Passt die Kleidung noch, besonders bei Kindern? Sind die Batterien voll? Ein guter fester Termin ist die Umstellung auf Sommer- oder Winterzeit – dann tauschst du gleich die Kleidung passend zur Jahreszeit.
Unsere Ausrüstungs-Empfehlungen
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Kurz gesagt: Pack für jedes Familienmitglied einen Rucksack, der ein bis zwei Tage versorgt – nach der Grundliste des BBK. Notiere auf einem Zettel, was im Ernstfall noch dazukommt, etwa Ausweis, Schlüssel und Handy. Prüf den Inhalt einmal im Jahr und stell den Rucksack griffbereit in den Flur.
Quellen und weiterführende Informationen
Allgemeine Information, kein Ersatz für individuelle Beratung durch Behörden, Rettungsdienste oder medizinisches Fachpersonal. Im Notfall: 112.