„Ich würde ja gern vorsorgen, aber wo soll ich das alles hinstellen?“ – Diesen Satz hören wir oft. Gerade in Städten wohnen viele in kleinen Mietwohnungen ohne Keller, Dachboden oder Speisekammer. Die Empfehlung des BBK, einen Vorrat für möglichst zehn Tage anzulegen, klingt dann nach einer Lagerhalle. Muss es aber nicht sein. Mit ein paar Kniffen passt ein solider Grundvorrat auch in eine Ein- oder Zweizimmerwohnung.
Klein anfangen ist ausdrücklich erlaubt
Das BBK betont: Auch ein Vorrat für drei Tage ist schon ein wichtiger Schritt. Starte damit und baue Stück für Stück aus. Vorsorge ist kein Projekt für ein Wochenende, sondern eine Gewohnheit.
Wasser: der größte Platzfresser
Für einen Erwachsenen rechnet das BBK mit mindestens 1,5 Litern Trinkflüssigkeit pro Tag und zusätzlich etwa 0,5 Litern zum Kochen. Für eine Person und zehn Tage sind das rund 20 Liter – also etwa drei Kisten Mineralwasser oder einige Kanister.
Platzsparende Ideen:
- Flache Getränkekisten oder Sixpacks unter dem Bett – dort ist es meist dunkel und kühl.
- Faltbare Wasserbehälter als Reserve, die du bei einer Warnung zusätzlich befüllst. Ersetzen den festen Vorrat aber nicht, denn bei einem plötzlichen Ausfall bleibt dafür keine Zeit.
- Mineralwasser im Alltag „mitlagern“: Kaufe einfach eine Kiste mehr, als du brauchst, und trinke immer die älteste zuerst.
Lebensmittel: kompakt und durchdacht
Setze auf Lebensmittel mit hoher Energiedichte, die wenig Platz brauchen und möglichst ohne Kochen essbar sind: Nüsse, Trockenobst, Haferflocken, Knäckebrot, Konserven mit Fertiggerichten, Erdnussbutter, Müsliriegel. Nudeln und Reis sind kompakt, brauchen aber Wasser und Energie zum Kochen.
Das Prinzip des lebenden Vorrats spart Platz: Du kaufst Dinge, die du ohnehin isst, einfach in etwas größerer Menge und verbrauchst sie regelmäßig. So brauchst du keinen separaten „Krisenschrank“, sondern nur etwas mehr Ordnung in deinen vorhandenen Schränken.
Versteckte Stauräume nutzen
- Unter dem Bett: flache Aufbewahrungsboxen mit Deckel für Konserven, Wasser und Hygieneartikel.
- Oberste Schrankfächer: leichtere Dinge wie Toilettenpapier, Kerzen-Alternativen, Ersatzbatterien.
- Hinter Türen: Hängeregale oder Schuhtaschen für Kleinteile wie Lampen, Batterien, Feuerzeuge, Medikamente.
- Sitzbänke und Hocker mit Stauraum – Möbel, die doppelt nutzen.
- Der Flur: Das Notgepäck gehört griffbereit in Türnähe, zum Beispiel in die Garderobe.
Wichtig: Lebensmittel möglichst trocken, dunkel und nicht zu warm lagern – also nicht direkt neben der Heizung oder in der Sonne am Fenster. Das Portal Ernährungsvorsorge der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung nennt für Speiseschrank und Speisekammer etwa 15 bis 20 Grad.
Was in der Mietwohnung besonders zu beachten ist
Brandschutz und Hausordnung
Brennstoffe wie Gaskartuschen, Spiritus oder Petroleum gehören nicht in großen Mengen in eine Wohnung. Lagere nur, was du wirklich brauchst, kühl, gut belüftet und kindersicher. Treppenhäuser und Flure im Haus sind Fluchtwege und dürfen nicht zugestellt werden. Ein Rauchmelder ist in allen Bundesländern in Wohnungen vorgeschrieben – prüfe, ob er funktioniert.
Kochen und Heizen ohne Strom
Ein Campingkocher kann nützlich sein, aber nur mit Bedacht: Gasgeräte, Grills und Heizgeräte ohne Abgasführung haben in geschlossenen Räumen nichts verloren. Es besteht Lebensgefahr durch Kohlenmonoxid. Wenn du überhaupt drinnen kochst, dann nur mit dafür zugelassenen Geräten, bei guter Lüftung, unter ständiger Aufsicht und mit Abstand zu Brennbarem. Sicherer ist Nahrung, die ohne Kochen auskommt.
Strom für das Nötigste
Eine Powerbank für das Smartphone und eine kleine Powerstation für Licht, Radio und Laden brauchen wenig Platz. Eine Powerstation passt in einen Schrank und lässt sich aus der Steckdose geladen halten. Steckersolargeräte für den Balkon sind für den Notfall nur bedingt geeignet, da die meisten bei Netzausfall automatisch abschalten.
Nachbarschaft als Ressource
In Mehrparteienhäusern liegt ein großer Vorteil: Menschen. Lerne deine Nachbarn kennen, tausche Telefonnummern aus und sprich ab, wer wem helfen kann. Wer weiß, dass die ältere Dame im dritten Stock auf ihre Medikamente angewiesen ist, kann im Ernstfall nachsehen. In der Grundausbildung lernt man früh, dass eine Gruppe, die sich kennt, in schwierigen Lagen mehr schafft als lauter Einzelkämpfer.
Eine Mini-Checkliste für kleine Wohnungen
- Wasser für mindestens drei, besser zehn Tage
- Kompakte Lebensmittel, die ohne Kochen essbar sind
- Taschenlampe oder Stirnlampe mit Ersatzbatterien
- Batterie- oder Kurbelradio
- Powerbank, idealerweise kleine Powerstation
- Hausapotheke und persönliche Medikamente
- Bargeld in kleinen Scheinen
- Hygieneartikel und Müllbeutel
- Dokumentenmappe und Notgepäck an der Tür
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Kurz gesagt: Auch wenig Platz reicht für einen sinnvollen Vorrat, wenn du Stauraum unter dem Bett, in Schränken und hinter Türen nutzt. Fang mit drei Tagen an und baue nach dem Prinzip „lebender Vorrat“ aus. Und denk an Brandschutz: keine offenen Flammen oder Gasgeräte ohne Abgasführung in der Wohnung.
Quellen und weiterführende Informationen
Allgemeine Information, kein Ersatz für individuelle Beratung durch Behörden, Rettungsdienste oder medizinisches Fachpersonal. Im Notfall: 112.