Wenn wir in Gesprächen über Vorsorge fragen, was zuerst knapp wird, lautet die Antwort fast immer: Essen. Tatsächlich ist es das Wasser. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bringt es nüchtern auf den Punkt: Ein Mensch kommt unter Umständen drei Wochen ohne Nahrung aus, aber nur etwa vier Tage ohne Flüssigkeit. Deshalb steht Trinkwasser bei LAGEBEREIT ganz oben auf der Liste. Die gute Nachricht: Die richtige Menge ist leicht auszurechnen, und das Anlegen kostet weder viel Geld noch viel Zeit.
Die Grundformel: 2 Liter pro Person und Tag
Das BBK empfiehlt, dass sich jeder Haushalt möglichst zehn Tage lang selbst versorgen kann. Für das Wasser gilt dabei eine einfache Rechnung:
- 1,5 Liter pro Person und Tag zum Trinken
- 0,5 Liter pro Person und Tag zum Kochen
- macht 2 Liter pro Person und Tag
Über zehn Tage sind das 20 Liter pro Person. Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern kommt so auf rund 80 Liter. Das klingt nach viel, entspricht je nach Flaschengröße nur etwa sieben bis neun Kisten Mineralwasser. Wer erst einmal klein anfangen will: Auch ein Vorrat für drei Tage hilft laut BBK schon spürbar weiter.
In der Grundausbildung lernt man schnell: Wer auf Durst wartet, hat schon zu spät getrunken. Im Notfall gilt das doppelt, denn Stress und Anstrengung lassen den Bedarf steigen, oft ohne dass man es merkt.
Wann du mehr einplanen solltest
Die 2-Liter-Regel ist ein Mindestwert für Erwachsene unter normalen Bedingungen. In einigen Situationen solltest du großzügiger rechnen:
- Hitze: Bei hohen Temperaturen rät das BBK, mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag zu trinken – allein zum Trinken. Fällt ein Stromausfall in eine Hitzewelle, plane deutlich mehr ein.
- Körperliche Arbeit: Aufräumen nach einem Sturm, Sandsäcke schleppen oder Wasser holen treiben den Bedarf nach oben.
- Kinder und Säuglinge: Babynahrung braucht einwandfreies Wasser. Kläre den Bedarf für Säuglinge am besten mit Kinderärztin, Kinderarzt oder Hebamme ab.
- Ältere und kranke Menschen: Sie spüren Durst oft weniger stark. Bei Vorerkrankungen, zum Beispiel wenn die Trinkmenge ärztlich begrenzt ist, gilt: mit Ärztin oder Arzt abklären.
- Haustiere: Hund und Katze brauchen ebenfalls Wasser. Wie viel, hängt stark von Tierart, Größe und Futter ab. Frag im Zweifel in deiner Tierarztpraxis nach.
Und was ist mit Waschen und Toilette?
Die 20 Liter pro Person decken nur Trinken und Kochen ab. Für Körperpflege, Abwasch und Toilettenspülung reicht das nicht. Dafür muss es aber kein Trinkwasser sein. Viele Haushalte füllen zu Beginn einer angekündigten Störung zusätzlich die Badewanne, Eimer und Töpfe mit Leitungswasser. Dieses Brauchwasser ist für Hygiene und Spülung gedacht, nicht zum Trinken. Zur Hygiene ohne fließendes Wasser und zur Notfalltoilette haben wir eigene Artikel.
Zur Einordnung: Selbst die staatliche Trinkwassernotversorgung über Notbrunnen, die das BBK für den Verteidigungsfall beschreibt, plant mit 15 Litern pro Person und Tag. Daran siehst du, dass der Bedarf über das reine Trinken schnell hinausgeht.
Woraus der Vorrat bestehen kann
Du musst kein Spezialwasser kaufen. Bewährt haben sich drei Wege, die du auch kombinieren kannst:
- Gekauftes Mineral- oder Tafelwasser: Am einfachsten. Laut dem Portal Ernährungsvorsorge der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung ist Mineralwasser in original verschlossener Flasche kühl, dunkel und trocken gelagert nahezu unbegrenzt haltbar. Stilles Wasser eignet sich auch zum Kochen.
- Selbst abgefülltes Leitungswasser: Günstig, aber pflegeintensiver. Saubere, lebensmittelechte Kanister verwenden und das Wasser regelmäßig erneuern. Mehr dazu im Artikel „Trinkwasser richtig lagern“.
- Ergänzend Säfte und Getränke im Vorrat: Sie zählen zur Flüssigkeitsmenge, ersetzen aber Wasser fürs Kochen nicht.
So rechnest du für deinen Haushalt
Nimm dir fünf Minuten und einen Zettel:
- Personen im Haushalt zählen.
- Mit 20 Litern multiplizieren (zehn Tage).
- Zuschlag für Hitze, Säuglinge oder Pflegebedürftige einplanen.
- Bedarf für Haustiere ergänzen.
- Vorhandene Getränke abziehen – den Rest besorgst du Schritt für Schritt.
Eine praktische Hilfe ist der Vorratskalkulator auf ernaehrungsvorsorge.de. Dort gibst du die Personenzahl und die gewünschte Anzahl an Tagen ein und bekommst neben Lebensmitteln auch die Getränkemenge ausgerechnet.
Wo der Vorrat stehen sollte
Wasser ist schwer: 20 Liter wiegen 20 Kilogramm. Lagere es deshalb dort, wo du es ohne Schleppen erreichst, und verteile größere Mengen lieber auf mehrere Stellen, etwa Keller, Abstellraum und Küche. Ein kühler, dunkler Ort schont die Qualität. Wenn du im Hochwassergebiet wohnst, gehört ein Teil des Vorrats nicht in den Keller, sondern eine Etage höher.
Typische Fehler
- Nur für sich selbst rechnen: Partner, Kinder, Besuch und Tiere gehören mit in die Rechnung.
- Den Vorrat vergessen: Setz dir einen festen Termin, etwa beim Uhrenumstellen, an dem du Mindesthaltbarkeitsdaten und Kanister prüfst.
- Brauchwasser und Trinkwasser mischen: Beschrifte Behälter eindeutig, damit niemand aus dem falschen Eimer trinkt.
Wasservorsorge ist kein Hexenwerk. Ein paar Kisten im Keller und eine klare Rechnung bringen dich schon sehr weit – und geben dir im Ernstfall genau das, worauf es ankommt: Ruhe.
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Kurz gesagt: Plane 2 Liter pro Person und Tag ein, also 20 Liter für zehn Tage. Rechne bei Hitze, Säuglingen, Pflegebedürftigen und Haustieren großzügiger. Wasser für Hygiene und Toilette kommt zusätzlich dazu und muss kein Trinkwasser sein.
Quellen und weiterführende Informationen
Allgemeine Information, kein Ersatz für individuelle Beratung durch Behörden, Rettungsdienste oder medizinisches Fachpersonal. Im Notfall: 112.