Über kaum ein Vorsorgethema wird so ungern gesprochen wie über die Toilette. Dabei ist es eines der ersten, das im Ernstfall drängt. Fällt die Wasserversorgung aus, funktioniert die Spülung nach dem ersten Durchgang nicht mehr. Bei Hochwasser oder Starkregen kann zusätzlich das Abwassersystem überlastet sein. Spätestens dann ist eine gut vorbereitete Notfalltoilette Gold wert – für die Hygiene, die Gesundheit und ehrlich gesagt auch für die Stimmung im Haushalt.
Erst prüfen: Was funktioniert noch?
Nicht jeder Ausfall bedeutet sofort „Notfalltoilette“. Unterscheide zwei Situationen:
- Nur das Leitungswasser fehlt, das Abwasser läuft: Dann kannst du die Toilette weiter benutzen und mit Brauchwasser spülen. Ein Eimer Wasser, zügig direkt ins Becken gegossen, löst die Spülung aus. Nutze dafür kein Trinkwasser, sondern zum Beispiel gesammeltes Wasser aus der Badewanne oder gebrauchtes Waschwasser.
- Das Abwasser läuft nicht ab oder darf nicht genutzt werden: Das kann bei Überflutung, bei Rückstau oder bei Häusern mit elektrischer Hebeanlage im Stromausfall der Fall sein. Achte auf Hinweise deiner Gemeinde und deines Wasserversorgers. Dann wird nicht gespült, sondern die Notfalltoilette kommt zum Einsatz.
Variante 1: die Beutel-Lösung in der vorhandenen Toilette
Die einfachste Lösung nutzt, was du schon hast. Du legst einen stabilen Müllbeutel in das trockene Toilettenbecken, klappst die Brille herunter und fixierst den Beutel so. Damit das klappt, sollte das Becken möglichst leer sein – dreh vorher den Wasserzulauf am Eckventil zu, falls er noch Druck hat. Nach jeder Benutzung kommt eine Handvoll Bindemittel darauf. Ist der Beutel etwa zur Hälfte gefüllt, verschließt du ihn fest und gibst ihn in einen zweiten Beutel.
Vorteil: Du sitzt wie gewohnt, und es braucht kaum zusätzliche Ausrüstung. Nachteil: Die Toilette ist für die Dauer des Einsatzes blockiert, und du musst sauber arbeiten, damit nichts ins Becken gelangt.
Variante 2: der Eimer mit Deckel
Ein stabiler Eimer mit gut schließendem Deckel – idealerweise mit aufsteckbarem Toilettensitz – ist eine robuste, mobile Lösung. Er lässt sich auch im Keller, im Gartenhaus oder im Wohnmobil einsetzen. Auch hier arbeitest du mit Beuteln und Bindemittel. Achte darauf, dass der Eimer sicher steht und das Gewicht eines Erwachsenen aushält.
Variante 3: die Campingtoilette
Das BBK nennt im Ratgeber ausdrücklich die Campingtoilette mit Ersatzflüssigkeit als gute Alternative, wenn Wasser knapp ist. Tragbare Kassettentoiletten haben einen geschlossenen Fäkalientank und sind geruchsarm. Für den Krisenfall gilt jedoch: Der Tank muss irgendwann geleert werden. Sanitärflüssigkeiten gehören nicht in die Natur und nicht in Gullys. Erkundige dich vorher, wo und wie du sie entsorgen kannst, und plane genug Flüssigkeit für mehrere Tage ein.
Das richtige Bindemittel
Bindemittel nehmen Feuchtigkeit auf und mindern Geruch. Bewährt haben sich:
- Katzenstreu – günstig, gut verfügbar, bindet zuverlässig
- Sägespäne oder Kleintierstreu – leicht und geruchsmindernd
- spezielle Gelpulver für Notfall- und Campingtoiletten
Ein einfacher Trick: Wenn möglich, Urin und Feststoffe getrennt sammeln. Urin kann – je nach Lage und Vorgaben – leichter entsorgt werden, und der Beutel mit Feststoffen bleibt trockener und riecht weniger.
Hygiene rund um die Notfalltoilette
In der Ausbildung lernt man schnell, dass sich hygienische Probleme in einer Gruppe rasend verbreiten, wenn Latrine und Handwäsche nicht sauber getrennt sind. Das gilt auch zuhause. Deshalb gehört direkt neben die Notfalltoilette:
- Toilettenpapier in einer geschlossenen Box
- Einmalhandschuhe für den Beutelwechsel
- Händedesinfektionsmittel oder eine Waschmöglichkeit mit Seife
- eine Rolle stabiler Müllbeutel
- eine Lampe, damit niemand im Dunkeln hantiert
Lüfte regelmäßig, und lege die gefüllten, doppelt verschlossenen Beutel in einen Behälter mit Deckel außerhalb der Wohnräume – etwa auf dem Balkon, in der Garage oder an einem schattigen Platz im Garten.
Entsorgung: vorher informieren
Wie Fäkalienbeutel entsorgt werden dürfen, regelt die Kommune. In einer Krisenlage gibt es dazu meist offizielle Hinweise, etwa über die Warn-App NINA, das Radio oder die Website deiner Stadt. Halte dich daran. Kippe Beutelinhalte keinesfalls in Gewässer, Gullys oder auf Grünflächen.
Wie viel Material brauchst du?
Für einen sinnvollen Vorrat für mehrere Tage reichen ein Eimer oder ein Sitzaufsatz, eine Rolle besonders reißfester Müllbeutel, ein Sack Bindemittel und eine Packung Handschuhe. Das passt in eine Kiste im Keller oder unter das Bett. Rechne lieber großzügig: Ein Haushalt mit Kindern verbraucht deutlich mehr Beutel und Bindemittel als ein Single-Haushalt.
Und auch hier gilt: einmal ausprobieren. Bau die Notfalltoilette an einem ruhigen Tag einmal auf. Dann weißt du, ob der Beutel passt, ob der Eimer stabil steht und wo alles hingehört.
Unsere Ausrüstungs-Empfehlungen
Bewährte Marken der Mittel- bis Oberklasse. Links folgen in Kürze; mit * gekennzeichnete Links werden Werbelinks sein.
- Thetford Porta Potti Qube 145Kompakte, geruchsdichte Kassettentoilette, die sich im Camping-Alltag vielfach bewährt hat.Zum Produkt*
- Brunner Optiloo (Eimertoilette)Stabiler Eimer mit fest aufsitzendem Toilettensitz und Deckel – die einfache Lösung für Beutel und Bindemittel.Zum Produkt*
- Thetford Aqua Kem BlueBewährte Sanitärflüssigkeit für Kassettentoiletten, die Gerüche bindet und den Tankinhalt zersetzt.Zum Produkt*
Kurz gesagt: Läuft nur kein Wasser nach, spülst du mit einem Eimer Brauchwasser. Läuft das Abwasser nicht ab, nutzt du Beutel, Bindemittel oder eine Campingtoilette. Handschuhe, Desinfektion und dicht verschlossene Beutel halten die Hygiene sicher.
Quellen und weiterführende Informationen
Allgemeine Information, kein Ersatz für individuelle Beratung durch Behörden, Rettungsdienste oder medizinisches Fachpersonal. Im Notfall: 112.